Ärzte Zeitung, 20.01.2005

Radiojodtherapie ist eine gute Wahl bei Älteren mit autonomen Knoten

Hohes Risiko von Arrhythmien bei über 60jährigen mit latenter Hyperthyreose

BERLIN (grue). Jeder Patient über 60 Jahre mit einer latenten Hyperthyreose, etwa wegen eines autonomen Adenoms, sollte therapiert werden. Das empfiehlt Professor Christoph Reiners aus Würzburg. Der Grund: Jeder dritte Betroffene bekommt innerhalb von zehn Jahren eine absolute Arrhythmie mit Vorhofflimmern. Therapie der Wahl ist die Radiojodtherapie, nicht nur bei erhöhtem Operationsrisiko.

Typisches Schilddrüsen-Szintigramm bei autonomem Schilddrüsen-Knoten: Nur der Knoten speichert, das übrige Schilddrüsen-Gewebe nicht. Foto: Moser/Freiburg

Fast jede zweite ältere Frau und jeder dritte ältere Mann haben Knoten in der Schilddrüse. Jeder fünfte Betroffene hat einen funktionell autonomen Knoten mit zumindest latenter Schilddrüsenüberfunktion. Das muß nicht mit Beschwerden verbunden sein, erhöht aber das kardiale Risiko.

Reiners hat bei einem Symposium von Merck Pharma in Berlin Zahlen genannt: Ein gesund wirkender 60jähriger mit erniedrigtem TSH hat ein Risiko von 30 Prozent, wegen seiner subklinischen Hyperthyreose innerhalb von zehn Jahren eine absolute Arrhythmie mit Vorhofflimmern zu entwickeln. Außerdem wachsen die funktionell aktiven Knoten oft weiter, und die Schilddrüsenkrankheit verstärkt sich. "Das sind genug Gründe, ältere Patienten mit einer latenten Hyperthyreose zu behandeln", so Reiners.

Bei Hyperthyreose wegen M. Basedow oder funktioneller Autonomie biete sich die Radiojodtherapie an. Mit jährlich etwa 40 000 Behandlungen sei dieses Verfahren in Deutschland gut etabliert und sehr erfolgreich, sagte Reiners. Es wird besonders bei kleineren Strumen oder bei erhöhtem Operationsrisiko angewandt, sofern keine suspekten kalten Knoten nachweisbar sind. Eine Hyperthyreose bei funktioneller Autonomie läßt sich damit zu 90 Prozent beseitigen. Die Hypothyreose-Rate nach der Therapie beträgt weniger als fünf Prozent.

Die Radiojodtherapie ist umso besser verträglich, je genauer die Strahlendosis auf das Speicherungsmuster abgestimmt ist. Deshalb wird zuvor die Aktivität der Knoten nach exogener TSH-Suppression im Szintigramm beurteilt. Mit der Radiojodtherapie lassen sich die funktionell autonomen Knoten oder Strumen außerdem um bis zu 50 Prozent verkleinern, was auch für optisch ansprechende Ergebnisse sorgt.

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