Ärzte Zeitung, 13.04.2007

Strumadiagnostik mit den Händen ist fast so gut wie Ultraschall

Viele Strumen werden per Palpation entdeckt / Am 23. April startet Schilddrüsenwoche

NEU-ISENBURG (gwa). Der Griff an den Hals von Patienten kann helfen, viele Schilddrüsen-Operationen zu vermeiden. Deshalb steht diese einfache und schnelle Tastuntersuchung bundesweit eine Woche lang in vielen Praxen im Mittelpunkt. Das auffällig bunte Schmetterlingslogo macht Patienten darauf aufmerksam.

Der Schmetterling steht für die Schilddrüse.

"Die Schilddrüse in guten Händen" - unter diesem Motto startet am 23. April bundesweit zum zweiten Mal die Schilddrüsenwoche. Wieder nehmen in 10 000 Praxen Kollegen und ihre Teams teil und bieten Patienten an, sich die Schilddrüse abtasten zu lassen. Und das macht Sinn.

Denn mit einer Palpation können zwei von drei Strumen frühzeitig entdeckt und die Patienten behandelt werden. Zur medikamentösen Strumaverkleinerung empfehlen Spezialisten eine Kombitherapie mit Jodid und Levo-thyroxin, zum Beispiel im Verhältnis 2 zu 1 (etwa als Fixkombination Thyronajod®). Mit dieser Therapie wird der TSH-Wert im niedrig-normalen Bereich zwischen 0,3 bis 1,2 mU/l eingestellt.

Jährlich 100 000 Operationen an Schilddrüsen in Deutschland

Werden Strumen frühzeitig entdeckt und gelingt die medikamentöse Verkleinerung, können viele Operationen vermieden werden. Derzeit gibt es in Deutschland pro Jahr weit über 100 000 Schilddrüsenoperationen. Darauf wies Dr. Diethard Sturm aus Hohenstein-Ernstthal bei einer von Sanofi-Aventis ausgerichteten Veranstaltung in Falkenstein / Taunus hin.

Wie wichtig ein Screening auf Schilddrüsenveränderungen ist, belegen Zahlen der Schilddrüsenerhebung Papillon und der Schilddrüsenwoche 2006. In Papillon wurden ungefähr 100 000 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren auf Schilddrüsenveränderungen untersucht (wir berichteten). Jeder Dritte hatte Knoten oder eine Struma, ohne es zu wissen.

Auch in Hausarztpraxen hat jeder dritte Patient eine Struma. Das ergab eine prospektive Untersuchung zur Schilddrüsendiagnostik während der bundesweiten Schilddrüsenwoche im vergangenen Jahr bei knapp 900 Patienten. Betroffen waren 38 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer. Außerdem wurde bei der Erhebung geprüft, wie groß bei der Diagnose die Übereinstimmung zwischen Palpation und Ultraschall war. Das erfreuliche Ergebnis: Fast 92 Prozent aller im Ultraschall festgestellten Strumen waren zuvor auch durch Palpation diagnostiziert worden.

Infomaterial etwa fürs Wartezimmer können über das Internet bezogen werden bei www.schilddruese.de oder www.forum-schilddruese.de

Eine Woche für die Schilddrüse

Vom 23. bis 27. April 2007 findet die Schilddrüsenwoche statt. Etwa 10 000 Praxen werden aktiv mitmachen und an der Auswertung teilnehmen. Partner der Schilddrüsenwoche sind die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, die Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin, das Forum Schilddrüse, der Arbeitskreis Jodmangel und Sanofi-Aventis. Medienpartner ist die "Ärzte Zeitung". (gwa)

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