Ärzte Zeitung, 15.07.2004

Ohne Innovationen keine effektive Aids-Therapie

Viren werden rasch resistent / Medikamenten-Lieferungen in Länder der Dritten Welt scheitern häufig

BANGKOK (HL). Aidserreger werden rasch resistent. Die Dauerbehandlung von Patienten mit HIV und Aids erfordert deshalb einen ständigen Nachschub an neuen Arzneimitteln. Das ist nur dann möglich, wenn den Herstellern für ihre Innovationen auch ein effektiver Patentschutz garantiert ist.

Aidskongress in BangkokAuf diesen Zusammenhang zwischen den immer neuen Herausforderungen in der Aids-Therapie und dem Schutz geistigen Eigentums bei Arzneimittel-Innovationen hat der Chief Executive Officer von Pfizer, Hank McKinnell, bei der Aids-Konferenz in Bangkok aufmerksam gemacht.

Der medizinische Hintergrund ist: Wenige Jahre nach Beginn einer antiretroviralen Therapie versagen die Medikamente bei etwa der Hälfte der Patienten. Entweder treten Resistenzen auf oder die Arzneimittel verursachen starke Nebenwirkungen. Die Viren mutieren ständig, sodaß verfügbare Medikamente versagen.

Die einzige Möglichkeit, dieses Problem zu lösen, besteht darin, daß die Industrie ständig neue Medikamente entwickelt. In diesem Zusammenhang beklagt McKinnell, daß etwa Regierungen und Nicht-Regierungs-Organisationen bislang nur "sehr zögerlich realistische Lösungen" für diese Herausforderungen angeboten hätten.

McKinnell sieht zwar in jüngster Zeit durchgreifende Veränderungen, etwa den starken Preisverfall in den ärmsten Ländern, Arzneimittelspenden der Hersteller sowie eine freiwillige Lizensierung zugunsten armer Länder. Er warnt aber davor, die emotional besetzte Frage des geistigen Eigentums als einzige Ursache für den unterschiedlichen Zugang zur Gesundheitsversorgung anzusehen. "In einer Welt, in der die meisten Aids-Patienten nicht einmal in der Nähe einer befestigten Straße sterben, ist Patentschutz allein eine zu simplizistische Antwort."

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind Hilfen der pharmazeutischen Industrie für Länder der Dritten Welt, vor allem für das südliche Afrika, immer wieder gescheitert. So landete erst vor einigen Monaten eine Medikamenten-Sendung, die für Afrika bestimmt war, als Re-Import in Belgien. Eine effektive Bekämpfung von Aids setzt politische Priorisierung voraus, die Bekämpfung von Korruption und eine medizinische Infrastruktur, die eine gezielte Therapie ermöglicht.

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