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Ärzte Zeitung, 11.06.2007

HINTERGRUND

G-8-Staaten versprechen Afrika 60 Milliarden Dollar gegen Aids

Von Bülent Erdogan

Die sieben reichsten Industrienationen und Russland haben sich auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm auf Hilfen für Afrika im Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria geeinigt. So wollen die Staaten in den kommenden Jahren bis 2010 rund 60 Milliarden Dollar, umgerechnet 44 Milliarden Euro, bereitstellen.

Viele Hilfsorganisationen bezweifeln, ob die G8, hier die Staatschefs beim Fototermin auf der Seebrücke in Heiligendamm, ihre Zusagen einhalten werden. Foto: dpa

"Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und werden unsere Verpflichtungen erfüllen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach einer Sitzung mit afrikanischen Staatschefs. Die G8 stünden in der Pflicht, "zu erfüllen, was wir versprochen haben." 2005 hatten die G8 im schottischen Tagungsort Gleneagles Hilfe in Höhe von 50 Milliarden Dollar jährlich bis 2010 in Aussicht gestellt. Dieses Ziel haben sie nach Angaben von Hilfsorganisationen bisher jedoch weit verfehlt.

Die G8 kündigten zudem an, den 2002 eingerichteten Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria mit neuen Mitteln auszustatten. Bisher hat der Fonds für mehr als 450 Programme in 136 Ländern ein Gesamtfördervolumen von acht Milliarden Dollar zugesagt. Bis 2010 entsteht nach Angaben des Vorstands ein zusätzlicher Finanzbedarf von sechs Milliarden Dollar. Deutschland unterstützt diesen Fonds mit 400 Millionen Euro. Im September solle zur Wiederauffüllung des Fonds eine Konferenz in Deutschland stattfinden, erklärten die Gipfelteilnehmer.

Hilfsorganisationen sehen Gipfel als gescheitert an

Hilfsorganisationen übten heftige Kritik an den Beschlüssen und sprachen von einem gescheiterten Gipfel. So brächen die G8 ihr Versprechen, bis 2010 einen universellen Zugang zu Aids-Medikamenten zu schaffen, resümierte Marwin Meier, Experte der Kinderhilfsorganisation World Vision. Stattdessen sollten nun in "einigen Jahren" nur fünf Millionen Menschen Arzneien erhalten. Jedoch würden 2010 mindestens zehn Millionen Menschen Hilfe benötigen, so Meier. Die Erhöhung der Entwicklungshilfegelder um 60 Milliarden Dollar für den Kampf gegen Aids, Tuberkulose und Malaria in Afrika bezeichnete er als unzureichend. Weltweit sterben jährlich sechs Millionen Menschen an diesen Infektionskrankheiten. Allein für die Aids-Bekämpfung seien nach Schätzungen des UNO-Aktionsprogramms gegen Aids UNAIDS in diesem und im kommenden Jahr 40 Milliarden Dollar nötig, ergänzte Meier. "Es ist schade, dass Deutschland als Gastgeber des G-8-Gipfels für die Bekämpfung der Immunschwächekrankheit Aids nicht mehr herausholen konnte."

G-8-Staaten verfehlen eigene Ziele um 27 Milliarden Dollar

Die Hilfsorganisation Oxfam warnte davor, sich von den angekündigten 60 Milliarden Dollar blenden zu lassen. Angesichts der Versprechen von Gleneagles bedeute die Erklärung der Staaten effektiv nur einen Zuwachs von drei Milliarden Dollar. Es bleibe eine Finanzierungslücke von 27 Milliarden Dollar.

Fakten zur Aids-Pandemie

  • 39,5 Millionen Menschen sind mit HIV infiziert.
  • Rund 4,3 Millionen Menschen steckten sich im vergangenen Jahr mit HIV an.
  • Die Zahl der Aidstoten weltweit lag bei 2,9 Millionen Menschen.
  • Neun von zehn Infizierten leben in Entwicklungsländern.
  • Weltweit sterben an Aids mehr junge Menschen als an anderen Krankheiten.
  • Über 15 Millionen Kinder haben einen oder beide Elternteile durch HIV/Aids verloren.
  • 2005 wurden täglich 2000 Kinder während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder beim Stillen infiziert.

Quelle: Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Lesen Sie dazu auch:
G8 versprechen Milliardenhilfe

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Wirklich Betrug an Afrika?

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