Ärzte Zeitung, 20.05.2015

HIV

NRTI-freie Therapie bei Komorbiditäten

Ein NRTI-freies Therapieregime war in einer Studie einem Standardregime nicht unterlegen.

MÜNCHEN. Angesichts des immer größeren Anteils an älteren HIV-Patienten mit Komorbiditäten und Co-Medikationen könnten Nuke-freie Therapieregime künftig an Bedeutung gewinnen.

Dr. Ansgar Rieke von der immunologischen Ambulanz im Gemeinschaftsklinikum Koblenz-Mayen, erklärte, dass er damit rechne, dass im Jahr 2030 fast drei Viertel aller HIV-Infizierten über 50 Jahre sein werden.

Mehr als 80 Prozent dieser Patienten werden neben der HIV-Infektion relevante Begleiterkrankungen, darunter kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes mellitus und Niereninsuffizienz aufweisen.

Die deshalb häufig nötige Polypharmakotherapie erfordert ART-Regime, die mit Begleiterkrankungen und -medikationen kompatibel sind.

Eine Option könnten daher Regime ohne den sonst üblichen Backbone aus nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren sein.Professor Dr. Hans-Jürgen Stellbrink, niedergelassener Arzt am Infektionsmedizinischen Centrum Hamburg, präsentierte auf einer vom Unternehmen Janssen Cilag unterstützten Veranstaltung im Rahmen der 6. Münchner AIDS- und Hepatitis-Werkstatt die Studie NEAT 001: Die randomisierte, multizentrische, offene Untersuchung der Phase III verglich ein nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI)-freies Regime bestehend aus geboostertem Darunavir (DRVr, Prezista®) plus Raltegravir (RAL) mit einem Standardregime bestehend aus geboostertem Darunavir plus dem Nuke-Backbone (Tenofovir/Emtricitabin, TDF/FTC) bei nicht-vorbehandelten HIV-Patienten (n=805).

Nach 96 Wochen fiel bei 89,4 Prozent der Patienten in der DRVr/RAL-Gruppe und bei 93,3 Prozent der Patienten und DRVr/TDF/FTC-Gruppe die Viruslast unter die Nachweisgrenze von 50 Kopien/ml und erreichte damit den primären Endpunkt der Nicht-Unterlegenheit.

Patienten mit hoher Viruslast (≥ 100.000 Kopien/ml) zu Studienbeginn hatten unter DRVr/RAL eine höhere Versagensrate (nicht signifikant) als im klassischen Triplearm, auch bei Patienten mit schlechtem Immunstatus (CD4 < 200 Zellen/ml) schnitt DRVr/RAL schlechter ab. Sicherheit und Verträglichkeit waren in beiden Therapiearmen vergleichbar. (MW)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »