Ärzte Zeitung, 25.04.2005

KOMMENTAR

Viren als Therapeutika

Von Peter Leiner

Mit Viren gegen resistente bakterielle Keime vorzugehen, das klingt zunächst etwas abenteuerlich. Doch es mehren sich die Hinweise aus vielen Versuchen und ersten Studien, daß dies nicht nur ein Traum bleiben muß. Denn es gibt Viren, sogenannte Bakteriophagen, die spezifisch Bakterien angreifen und menschliche Zellen unbehelligt lassen.

Immer mehr Wissenschaftler weltweit sehen in diesen Viren ein großes Potential. So jetzt auch Forscher aus Irland, die belegt haben, daß sich mit diesen Viren in entsprechenden Waschlösungen resistente Staphylokokken von der Haut wirksam entfernen lassen, ohne die Haut zu schädigen. Darüber hinaus gibt es die Hoffnung, entsprechende virushaltige Cremes gegen Wundinfektionen nutzen zu können.

Virologen haben bisher mehr als 800 Viren entdeckt, die sich auf Bakterien spezialisiert haben. Dieses Potential sollte nicht ungenutzt bleiben. Unter dem Eindruck zunehmender bakterieller Resistenzen lohnt es sich, die Entwicklung der Phagentherapie weiter voranzutreiben und diese Forschung stärker als bisher finanziell zu unterstützen. Nicht zuletzt Methoden der Gentechnik können helfen, die Therapie mit solchen Viren noch effizienter und sicherer zu machen. Ein Abenteuer, das sich lohnt.

Lesen Sie dazu:
Bakterien-Viren machen resistente Keime unschädlich

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