Ärzte Zeitung, 23.06.2005

Caspofungin bewährt sich in der Intensivmedizin gut gegen Mykosen

Kaum Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten / Keine Gefahr für Nieren

HAMBURG (awa). Invasive Pilzinfektionen sind ein häufiges Problem auf Intensivstationen. Da Intensivpatienten meistens mehrere Medikamente erhalten, bietet sich das Echinocandin Caspofungin zur systemischen antimykotischen Therapie an.

Patient mit invasiver Mykose auf einer Intensivstation. Da solche Patienten meist viele Arzneien erhalten, sind Wechselwirkungen eine Gefahr. Foto: Prof. K. Rummelstein

Die Substanz ist gut wirksam und verträglich und geht keine Interaktionen mit dem Cytochrom-P450-System ein. Darauf hat Professor Ernst-Rüdiger Kuse aus Hannover auf dem Kongreß für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin in Hamburg hingewiesen.

Für den Intensivmediziner ist Amphotericin B, das lange Zeit Standard in der antimykotischen Therapie war, nach Einführung neuer Antimykotika aus den Substanzklassen der Echinocandine und Azole keine Therapie der ersten Wahl mehr. Vor allem das bisher einzige zugelassene Echinocandin Caspofungin (Cancidas®) biete bei Intensivpatienten, die häufig auch multimorbide sind, mehrere wesentliche Vorteile, berichtete Kuse auf einer Veranstaltung des Unternehmens MSD.

Eine Candida-Kultur in einer Petrischale. Häufig sind Candida-Pilze die Ursache von invasiven Mykosen. Foto: Schauerte

So wirkt Caspofungin nicht nephrotoxisch, dagegen steigt mit Amphotericin B bei 28 Prozent der Patienten das Serum-Kreatinin stark an. Bei Niereninsuffizienz, die 20 bis 30 Prozent der schwerstkranken und beatmungspflichtigen Patienten betrifft, muß die Dosis des Echinocandins nicht verringert werden. Bei der oft Therapie-begrenzenden Leberinsuffizienz kann die Dosis halbiert werden.

Da Caspofungin nicht dialysierbar ist, bietet es sichere Medikamentenspiegel auch bei der Anwendung der neuen, geschlossenen Dialyse-Systeme. Die Elimination dialysierbarer, wasserlöslicher Medikamente, zu denen etwa die anderen Antimykotika gehören, sei zur Zeit noch nicht geklärt, so Kuse.

Im Gegensatz zu den Azolen geht Caspofungin keine Interaktionen mit den Enzymen des Cytochrom-P450-Systems ein. Für Kuse ist das ein entscheidender Vorteil in der Intensivmedizin, denn es ist keine Ausnahme, daß Intensivpatienten über mehrere Perfusoren und Pumpen mehr als zehn verschiedene Medikamente als Bolusinjektion erhalten.

Auch in der Hämatologie und Onkologie sei die fehlende Interaktion von Caspofungin mit dem P450-System ein großer Vorteil, denn bisher sei die gleichzeitige Gabe von Azolen und Zytostatika wegen dieser Interaktionen möglichst vermieden worden, so Professor Helmut Ostermann aus München. Die Medikamentenspiegel von Immunsuppressiva sollten bei gleichzeitiger Gabe mit Caspofungin und Azolen regelmäßig kontrolliert werden. Jedoch senke Echinocandin die Serumspiegel von Immunsuppressiva sehr viel geringer ab als es Azole tun.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »