Ärzte Zeitung, 08.11.2005

Neue Option für Patienten mit invasiven Pilzinfektionen

In Studien wirkte Posaconazol auch gegen invasive Aspergillosen / Prophylaktische Therapie nach Stammzelltransplantationen geprüft

BERLIN (grue). Mit Posaconazol wird es in Kürze ein neues Medikament zur Therapie bei schweren invasiven Pilzerkrankungen nach erfolgloser Vortherapie geben. In Studien wirkte das neue Antimykotikum auch prophylaktisch gegen invasive Aspergillosen bei Patienten nach Stammzelltransplantation.

Das Unternehmen Essex Pharma erwartet in Kürze die Zulassung von Posaconazol. Das Präparat soll dann als Noxafil® erhältlich sein. Die Substanz ist ein Triazol mit hoher Aktivität gegen Aspergillen einschließlich solcher Stämme, die gegen herkömmliche Antibiotika wie Amphotericin B, Itraconazol und Voriconazol resistent sind.

In Studien wurde das neue Medikament als orale Suspension bei Patienten mit refraktären invasiven Mykosen, überwiegend Aspergillosen, geprüft. Auf das Antimykotikum sprachen 42 Prozent der Patienten an. Der Therapieerfolg war signifikant größer als in einer Kontrollgruppe, in der es mit unterschiedlichen bisher verfügbaren Arzneien bei 26 Prozent der refraktären Patienten zu einer Rückbildung der Aspergillen-Besiedlung kam.

"Da Aspergillosen eine wachsende Bedrohung für Patienten nach allogener Stammzelltransplantation sind, könnte sich Posaconazol auch für deren prophylaktische Behandlung eigen", sagte Professor Andrew Ullmann von der Universität Mainz auf einer Veranstaltung von Essex in Berlin.

Die prophylaktische Anwendung wurde in einer Doppelblind-Studie geprüft, an der 600 Patienten mit Graft-verus-host-Reaktion nach Stammzelltransplantation teilgenommen haben. Diese stark immunsupprimierten Patienten erhielten zum Schutz vor invasiven Mykosen für bis zu 112 Tage entweder 200 mg Posaconazol dreimal täglich oder 400 mg Fluconazol täglich. Die Rate invasiver Pilzerkrankungen (der primäre Endpunkt) lag bei fünf Prozent mit Posaconazol und bei neun Prozent mit Fluconazol.

Der Unterschied war jedoch statistisch nicht signifikant. Allerdings entwickelten sich die Mykosen mit Posaconazol im Mittel erst nach 102 Tagen und damit etwa zwei Wochen später als mit Fluconazol. Einen signifikanten Unterschied gab es bei den invasiven Aspergillosen: Diese Infektion trat mit Posaconazol im Studienzeitraum nur bei zwei Prozent der Teilnehmer auf, mit Fluconazol jedoch bei sieben Prozent.

Auch die Sterberate war in der Posaconazol-Gruppe mit einem Prozent deutlich niedriger als bei Fluconazol mit vier Prozent. Beide Medikamente wurden gut vertragen, nur Übelkeit und Erbrechen traten in beiden Gruppen etwas häufiger auf.

"Mit Posaconazol könnten wir etwas gegen Aspergillen in der Hand haben", so Ullmann, "denn Patienten nach Stammzelltransplantation sind besonders im Anschluß an die neutropenische Phase durch Aspergillosen gefährdet".

Das Risiko, an einer späten invasiven Aspergillen-Infektion zu sterben, betrage über 80 Prozent und sei damit noch höher als bei früher invasiver Candidose.

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