Ärzte Zeitung, 05.09.2014

Kommentar zu Haustieren

Strikt getrennte Antibiose

Von Thomas Müller

In Deutschland verbraucht die Veterinärmedizin mehr Antibiotika als die Humanmedizin - etwa 1700 Tonnen wandern jährlich in Ställe und Tierarztpraxen.

Zwar ist es verboten, die Mittel zur Tiermast einzusetzen, doch dieses Verbot lässt sich leicht umgehen: Ist nur ein Tier krank, darf der ganze Bestand prophylaktisch behandelt werden.

Kein Wunder also, wenn gelegentlich multiresistente MRSA oder ESBL-Keime in der Mettwurst auftauchen, in Stichproben wurden MRSA teilweise bei bis zu 80 Prozent der Schweine nachgewiesen.

Das Problem bekommt noch eine ganz andere Dimension, wenn klar wird, dass MRSA nicht zwischen Mensch und Tier unterscheiden, sondern munter zwischen den Spezies hin- und herpendeln.

Wenn wir in den Ställen multiresistente Staphylokokken heranzüchten, werden wir diese früher oder später auch bei Menschen finden. Für Kliniken ist dabei nicht unbedingt die Mettwurst in der Kantine die größte Gefahr, sondern eher der Bauer, der die MRSA direkt auf die Intensivstation schleppt.

Am besten lässt sich dieses Risiko abwenden, wenn in der Tiermedizin andere Antibiotika-Klassen verwendet werden als in der Humanmedizin.

Dies wird zwar immer wieder gefordert, aber nicht konsequent umgesetzt. Eine aktuelle Liste wichtiger Antibiotika der WHO und der Weltorganisation für Tiergesundheit enthält noch viel zu viele Übereinstimmungen.

Lesen Sie dazu auch:
MRSA: Keimschleuder Haustier

[05.09.2014, 08:12:04]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
bravo, Thomas Müller, dass Sie dieses Thema aufgreifen!
Denn Tiere (=Gewinn in der Landwirtschaft) werden ja geschützt im Gegensatz zum Mensch,
ganz besonders auch von unseren scheinheiligen "grünen" Politikern, die jetzt noch Sondersteuer für Nahrung einführen wollen.
Auffällig ist dabei, dass sich unsere vorgesetzten Erziehungsministerien NICHT an die Bauern ranmachen, sondern nur an die Tierärzte, hier bei den zugegebenen 1700 Tonnen nur die Tierärzte mit eigener Apotheke,
die man ihnen ja auch schon wegnehmen wollte.
Was die Bauern selbst gesetzlich erlaubt als Futterzusatz und nicht ganz legal anwenden, IST STAATSGEHEIMNIS.
Angegriffen weren aber recht hemmungslos die Humanärzte auf Intensivstationen, die weniger als 10 Tonnen Antibiotika einsetzen.
Im übrigen haben wir diese heute weltweit verbreiteten MRSA anfänglich aus USA importiert, wie alles fortschrittliche unserer Zeit ("Bankeneigenleben")
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