Ärzte Zeitung online, 01.04.2014

Ebola

Eine "beispiellose Epidemie"

Aus Westafrika werden weitere Ebolafälle gemeldet: Neben Guinea ist mindestens ein weiteres Land betroffen. Die "Ärzte ohne Grenzen" schlagen Alarm.

Eine "beispiellose Epidemie"

Guineas Hauptstadt im Fokus: Auch in Conakry hat es Ebolafälle gegeben.

© Lex van Lieshout / ANP XTRA / dpa

NEU-ISENBURG. Der Ausbruch von Ebolafieber in Westafrika spitzt sich zu. Weitere Länder melden Erkrankungsfälle. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) spricht mittlerweile von einer "beispiellosen Epidemie".

"Wir stehen vor einer Epidemie, die wir in dieser Größenordnung nie zuvor gesehen haben", sagte der MSF-Koordinator des Hilfseinsatzes, Mariano Lugli. Präsident Alpha Conde rief Berichten zufolge den "Gesundheitsnotstand" aus.

Hintergrund für die drastische Warnung sind bestätigte Fälle vom hämorrhagischen Ebolafieber in der guineischen Hauptstadt Conakry. Acht Fälle werden von dort gemeldet. Vergangene Woche waren entsprechende Meldungen noch dementiert worden.

Krisenherd der Epidemie sind weiter die Regionen Gueckedou, Macenta und Kissidougou in Guinea. Auch aus der Region Nzerekore werden Fälle gemeldet. Das Gesundheitsministerium von Guinea spricht von mittlerweile 122 Verdachtsfällen und 80 Toten. Nicht bei allen Fällen liegt jedoch eine laborbestätigte Diagnose des Ebolafiebers vor.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO gibt die Zahl der Verdachtsfälle in Guinea mit bislang 112 und die Zahl der Toten mit 70 an. Von ersten lokalen Berichten bis zur Meldung bei der WHO kann oftmals einige Zeit vergehen. Bislang wurden den Angaben zufolge "nur" 24 Proben mittels PCR positiv auf das Ebolavirus getestet. Über 230 Kontaktpersonen wurden ausfindig gemacht, 130 davon werden laut WHO medizinisch überwacht.

Auch aus Liberia werden derweil bestätigte Ebolafälle gemeldet. Das Land grenzt im Süden mit der Provinz Lofa an die betroffenen Regionen Guineas. Fünf Menschen mit Symptomen eines hämorrhagischen Fiebers seien bereits vergangene Woche gestorben, hieß es. Es gebe mehrere Verdachtsfälle. Bislang gab es in zwei von sieben Proben einen positiven Ebolanachweis.

Die Erkrankungs- und Verdachtsfälle stehen laut WHO in einem epidemiologischen Zusammenhang, könnten also eingeschleppt worden sein. Rund 30 Kontaktpersonen in Libera würden derzeit medizinisch überwacht.

Während die WHO bislang ausdrücklich betont, dass es keinen Grund für eine Reisewarnung gebe, hat der Senegal am Wochenende seine Grenzen zu Guinea geschlossen. Das Land liegt im Nordwesten Guineas. Auch wurden Wochenmärkte in der Nähe die Grenze geschlossen. Flüge von der senegalesischen Hauptstadt Dakar nach Conakry erhalten besondere Hygienekontrollen.

Selbst der Libanon, ein Land, das bekanntlich einige Kilometer von Westafrika entfernt liegt, hat erste Maßnahmen gegen Ebola getroffen. Experten würden am Flughafen der Hauptstadt Beirut Passagiere untersuchen, die aus Afrika kommen, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstag mit. (nös)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »