Ärzte Zeitung online, 09.04.2014

Ebola in Westafrika

Einer der "schwierigsten Ausbrüche"

Kein schnelles Ende in Sicht: Laut WHO könnte der Ebolaausbruch in Westafrika noch bis zu vier Monate dauern. Die Organisation nennt ihn einen der "schwersten Ausbrüche".

Einer der "schwierigsten Ausbrüche"

Patient aus Conakry beim Ebola-Screening in Guinea-Bissau.

© Tiago Petinga / epa / dpa

GENF. Die Weltgesundheitsorganisation WHO geht davon aus, dass es noch "zwei bis vier Monate" braucht, um den Ebola-Ausbruch in Westafrika einzudämmen. Als Hintergrund dafür nannte die UN-Organisation am Dienstag in Genf "einmalige Herausforderungen" des Geschehens in Guinea und den angrenzenden Staaten.

"Dies ist einer der schwierigsten Ausbrüche von Ebola, mit denen wir es je zu tun hatten", sagte der stellvertretende WHO-Generaldirektor Dr. Keija Fukuda. Noch die nächsten zwei bis vier Monate werde man damit beschäftigt sein.

Als Besonderheit des jetzigen Ausbruchs der Ebola-Viruserkrankung vor allem in Guinea nannte Fukuda unter anderem die weiträumige Ausbreitung. In Guinea sind fünf Regionen und die Hauptstadt Conakry betroffen. Laut WHO werden aus dem Land bisher 157 Verdachtsfälle und 101 Todesopfer gemeldet. Bei 67 Fällen liegt ein positiver PCR-Nachweis des Ebolavirus vor.

Ungewöhnlich im Vergleich zu früheren Ausbrüchen sei zudem, dass aus einer dicht besiedelten Region wie der Hauptstadt Conakry verhältnismäßig viele Fälle gemeldet werden. Dort verzeichnet die WHO 20 Verdachtsfälle und sechs Todesopfer. In Conakry leben rund zwei Millionen Menschen.

In drei Waldregionen des Landes breite sich das Virus womöglich weiter aus. "Dort ist der Ausbruch nicht vorüber, es ist das Epizentrum", sagte Dr. Stephane Hugonnet von der WHO. Solange dort weitere Fälle auftreten, könnten sie immer auch in andere Regionen des Landes exportiert werden. Die Experten versuchen derzeit, die Infektionskette und mutmaßliche Indexpatienten aufzuklären. Vor Ort sind den Angaben zufolge über 60 Experten damit beschäftigt.

Als Übertragungsweg der Ebolaviren bei dem jetzigen Ausbruch vermuten die Experten zunehmend Bestattungsrituale. In Äquatorialafrika ist es nicht unüblich, dass Menschen ihre gestorbenen Angehörigen zum Abschied berühren. Das Blut gestorbener Ebolapatienten ist auch Tage nach dem Tod noch hochkontagiös.

Sorgen bereiten den WHO-Experten aber auch lokale Heilbräuche. WHO-Generaldirektor Fukuda appellierte an die Menschen in der Region, bei Symptomen hämorrhagischen Fiebers von Selbstmedikation oder traditionellen Heilmethoden abzusehen.

Zuvor hatten es in der Region vereinzelte Gerüchte gegeben, wonach Erkrankten empfohlen worden sein soll, täglich zwei rohe Zwiebeln zu essen. Fukuda nannte solche Empfehlungen gefährlich. Sie machten es den Ärzten vor Ort schwer, den Ebolaausbruch einzudämmen.

Entwarnung gab die WHO derweil bei einem zuvor möglichen Fall eines Parallelausbruchs. In Liberia war Ende vergangener Woche von einem Waldarbeiter mit Ebolaverdacht berichtet worden, der keine Kontakte zu anderen Erkrankten hatte. Er war mit Symptomen hämorrhagischen Fiebers gestorben. Laut WHO konnten Labortests eine Ebolainfektion nun aber ausschließen.

Aus Liberia werden nun insgesamt 21 Verdachtsfälle gemeldet, zehn davon tödlich. In fünf Fällen konnte eine Ebola-Viruserkrankung im Labor bestätigt werden. Aus Mali meldet die WHO insgesamt neun Verdachtsfälle. (nös)

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