Ärzte Zeitung, 13.10.2014

Ebola in USA

Behörden im Kreuzfeuer

Nachdem ein Ebola-Patient in einer US-Klinik zunächst abgewiesen wurde, steht die Seuchenschutzbehörde heftig in der Kritik. Experten bezweifeln, ihr Land sei gut auf Ebola vorbereitet.

Behörden im Kreuzfeuer

Die Wohnung des an Ebola gestorbenen Thomas Eric Duncan wird desinfiziert. Die Familie war Tage in der Ebola-verseuchten Wohnung geblieben.

© LM Otero / dpa

DALLAS. Thomas Eric Duncan sorgt auch nach seinem Ebola-Tod für Schockwellen in den USA: Immer mehr Details zu Fehlern bei seiner Klinikaufnahme gelangen an die Öffentlichkeit, und die werfen kein gutes Licht auf die Seuchenprävention in den USA.

Duncan war am 20. September aus Liberia eingereist und entwickelte einige Tage später Krankheitssymptome: Am 26. September begab er sich in die Notaufnahme des Texas Health Presbyterian Hospital in Dallas, klagte dort über leichtes Fieber, starke Kopf- und Bauchschmerzen sowie Probleme beim Pinkeln.

Wie das Krankenhaus zugibt, sagte Duncan der zuständigen Triage-Schwester, dass er aus Westafrika komme, behauptete aber, mit Ebola-Kranken keinen Kontakt gehabt zu haben.

Die Krankenschwester legte nun zwar eine elektronische Krankenakte an, die Reiseinformation haben die Ärzte aber offenbar nicht wahrgenommen. Sie gingen nur von einer harmlosen Infektion aus und schickten Duncan mit Antibiotika nach Hause.

Familie in verseuchter Wohnung

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Die Ebola-Epidemie in Westafrika sorgt für Tausende infizierte Menschen - und Tausende Tote. Der Ausbruch geht auf ein zweijähriges Mädchen zurück. Zur Chronologie des Ausbruchs.

Erst als er zwei Tage später erneut kam, wurde er aufgenommen und isoliert. Zunächst schob die Klinik den Fehler auf das Verwaltungsprogramm, es habe den Ärzten die relevanten Daten zur Reise nicht angezeigt. Diese Behauptung hat die Klinik aber wieder zurückgenommen.

Da schon beim Aufspüren des ersten unfreiwilligen Ebola-Imports ziemlich viel schief ging, steht auch die oberste Seuchenbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta in der Kritik.

Ihr wird vorgeworfen, die US-Kliniken wenig auf Ebola-Fälle in den USA vorbereitet zu haben, auch wenn die Behörde gebetsmühlenartig wiederholt, Ärzte sollten Patienten mit Fieber, Kopf- und Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen fragen, wo sie sich in den vergangenen Wochen herumgetrieben haben.

Hinzu kommt ein etwas hilflos wirkender Umgang mit Duncans Familie - sie musste einige Tage in der Ebola-verseuchten Wohnung bleiben, bevor eine neue Unterkunft gefunden wurde und die Behörden sich endlich geeinigt hatten, wer die Wohnung wie reinigt.

Wenig hilfreich für das Image der CDC dürften auch Fernsehbilder gewesen sein, die am Mittwoch, dem Tag als Duncan starb, über US-Bildschirme flimmerten. Darin war ein Rettungswagen zu sehen, der den in Schutzkleidung eingepackten Polizisten Michael Monnig auf die Isolierstation der Klinik in Dallas brachte.

Monnig hatte Duncans Wohnung betreten, um seine Verwandten unter Quarantäne zu stellen. Eine Woche später bekam er Bauchschmerzen und wandte sich an eine Klinik in einem Vorort von Dallas.

Das Problem: Monnig stand nicht auf der CDC-Liste von 48 Personen, die mit Duncan Kontakt hatten und überwacht werden sollten.

Inzwischen hat sich die Aufregung in Dallas wieder etwas gelegt: Ein Test konnte bei dem Polizisten Ebola ausschließen.

CDC räumen Fehler ein

Angesicht solcher tatsächlicher oder vermeintlicher Pannen räumen die CDC Fehler bei der Seuchenprävention ein. "Wir haben mit unserer Aufmerksamkeit wohl etwas nachgelassen", wird eine CDC-Sprecherin in der "Washington Post" zitiert.

Auch herrsche in vielen Kliniken noch immer eine große Unsicherheit, wie sie mit potenziellen Ebola-Kranken umgehen sollten. Wo werden sie isoliert, wie behandelt man Abfälle, wie können sich Ärzte und Pfleger schützen?

Die Behörde hat daher zusätzliche Richtlinien zum Umgang mit Ebola-Verdächtigen an alle Kliniken in den USA verschickt. Und die werden dringend benötigt: Fast täglich gibt es irgendwo Ebola-Alarm, und häufig wird übers Ziel hinausgeschossen, wie bei einer Frau aus der Türkei, der es lediglich im Flugzeug schlecht wurde.

Um die Gefahr eines erneuten Ebola-Imports zu minimieren, haben die CDC nun Mitarbeiter an die fünf wichtigsten US-Flughäfen geschickt, an denen Reisende aus Liberia, Guinea und Sierra Leone landen.

Nach der Passkontrolle werden Personen aus solchen Ländern in einen Extraraum geführt, ausführlich interviewt und einer Fieberkontrolle unterzogen.

Noch wichtiger sei es jedoch, Ebola-Kranke bereits bei der Ausreise abzufangen. Hier wollen die CDC weiterhin die Behörden in den betroffenen Ländern unterstützen.

Unterdessen hat die CDC eine weitere Ebola-Infektion bestätigt. CDC-Laboruntersuchungen hätten belegt, dass sich eine weitere Krankenschwester in Texas infiziert habe, teilte die Behörde am Sonntag mit.

Die Krankenschwester hatte Thomas Eric Duncan betreut - und sich offenbar trotz Schutzkleidung und strenger Sicherheitsvorkehrungen angesteckt. Es ist die erste Übertragung der Krankheit in den USA. (mut)

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