Ärzte Zeitung, 20.01.2004

Doppelte Handschuhe helfen, die Infektionsgefahr zu mindern

Ein neutralfarbener Handschuh wird über einen grünen Handschuh gezogen

Wie können Kollegen sich effektiv davor schützen, sich bei Patienten mit gefährlichen Erregern anzustecken? Wichtigster Schutz ist die optimale Hygiene, etwa die Nutzung von Handschuhen. Doch die können kaputtgehen, ohne daß dies bemerkt wird. Ein doppelter Handschuh mit Indikatorfunktion kann hier besser schützen.

Von Friedrich Hofmann

Die Tätigkeit in der Pflege, im OP und in der Arztpraxis gehört nach wie vor zu den beruflichen Hochrisikobereichen: Gut tausend Beschäftigte erkranken in Deutschland Jahr für Jahr an Infektionen mit dem Hepatitis-B- (HB), dem Hepatitis-C-(HC) oder dem HI-Virus.

Fast alle HBV-Infektionen wären dank der effizienten Schutzimpfung vermeidbar, im Gegensatz zu HCV und HIV: Interferon/Ribavirin bei HC-Ausbruch oder die Verabreichung antiretroviraler Medikamente nach der HIV-Exposition sind derzeit die einzigen Behandlungsmaßnahmen.

Um so mehr versucht die Sicherheitstechnik schon seit Jahren, Verletzungen an spitzen und scharfen blutigen Gegenständen, die Erregern den Weg bahnen, erst gar nicht entstehen zu lassen. Zu diesen Maßnahmen gehören

  • eine effiziente, sichere Arbeitsorganisation - vor allem im Operationssaal,
  • fachgerechte Entsorgung von Skalpellen, Kanülen und ähnlichen Gegenstände in durchstichsicheren Behältern,
  • die Verwendung sicherer Instrumente, die nach Gebrauch etwa stumpf werden,
  • die Benutzung geeigneter medizinischer Handschuhe.

Gerade bei der letztgenannten Kategorie gibt es in jüngster Zeit interessante Neuentwicklungen. Und zwar wird ein Defekt im Handschuh oft nicht bemerkt, wie eine groß angelegte Untersuchung an der Universität Wuppertal zu Tage brachte: Nach operativen Eingriffen wiesen zwischen 10 und 20 Prozent der von den Operateuren als intakt bezeichneten Handschuhe eine oder mehrere Perforationen auf - in diesen Fällen muß es also während des Eingriffs Verletzungen gegeben haben.

Grüner Fleck zeigt Perforation eines Handschuhs an

Deshalb geht es bei der Infektionsverhütung in erster Linie um das Sichtbarmachen von Perforationen im Handschuh: Nur wenn Kollegen wissen, daß sie sich verletzt haben, können sie entsprechend reagieren - und defekte Handschuhe ersetzen.

Neue Daten aus der sicherheitstechnischen Forschung belegen, daß die Ideallösung darin besteht, doppelte Handschuhe mit Indikatorsystem zu tragen: Dieses besteht aus zwei verschiedenen Handschuhen, einem grünen Unterzieh- und einem neutralfarbenen Außenhandschuh.

Wird letzterer bei der Operation perforiert, dringt die bei jedem Eingriff vorhandene Flüssigkeit zwischen die beiden Schichten und sorgt dafür, daß der untere Handschuh durchscheint und ein gut sichtbarer grüner Fleck entsteht, der deutlich größer ist als die eigentliche Perforation. Bemerkt jemand den Fleck, wird der Handschuh gewechselt.

Wie effizient das System arbeiten kann, wurde kürzlich deutlich, als alle Studien zur Handschuhsicherheit weltweit miteinander verglichen wurden: Bei der Analyse von 376 Perforationen wurden bei der Verwendung herkömmlicher doppelter Op-Handschuhe dreimal weniger Löcher entdeckt als bei der Nutzung von Indikator-Handschuhen.

Zudem wurde in einer prospektiven Studie gezeigt, daß die Wahrscheinlichkeiten einer Kontamination mit Blut bei der Verwendung solcher Handschuhe von 13 auf zwei Prozent sinkt.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »