Ärzte Zeitung, 16.12.2005

KOMMENTAR

Tödliche Pockenimpfung

Von Thomas Müller

Man mag vielleicht darüber diskutieren, ob man riesige Impfstoffvorräte gegen ein Virus hortet, das es in freier Wildbahn längst nicht mehr gibt - und zwar nur, weil man glaubt, Terroristen könnten irgendwo an ein paar Konserven mit Pockenviren gelangen, die jemand vor Jahrzehnten in einem Eisschrank vergessen hat.

Wer deswegen Impfstoff für die gesamte Bevölkerung einlagert, der gibt nur jede Menge Geld aus, setzt aber keine Menschenleben aufs Spiel.

Unverantwortlich ist es jedoch, wenn die Terror-Paranoia so weit geht, daß man Hunderttausende gegen eine nicht mehr existierende Krankheit impft und dabei den Tod von Menschen sowie schwere Impfkomplikationen einkalkuliert. Daß der Dryvax-Pockenimpfstoff nicht ohne Risiken ist, ist gut bekannt.

Wie jetzt publiziert wurden beim jüngsten US-Pockenimpfprogramm bei etwa 40 von 660 000 Geimpften schwere neurologische Schäden festgestellt, ein Mensch starb offenbar an den Folgen der Impfung.

Solange es Pocken-Epidemien gab, mußte man diese Komplikationsrate hinnehmen. In einer Welt ohne Pocken läßt sich jedoch der Tod nicht eines einzigen Menschen als Folge einer Pockenimpfung rechtfertigen.

Lesen Sie dazu auch:
Enzephalitis und Meningitis nach Pockenimpfung

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