Ärzte Zeitung, 20.06.2006

KOMMENTAR

Vertrauen in die Impf-Empfehlungen!

Von Michael Hubert

Die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) gelten als medizinischer Standard. So ist auch die Empfehlung, gegen Windpocken ab dem 11. Monat zu impfen, durchdacht und begründet.

Dies mögen Kollegen in Frage stellen, die Mütter beraten, deren Kinder bereits innerhalb der ersten sechs Lebensmonate an Varizellen erkrankt sind. Dabei darf nicht vergessen werden, daß die Titer der Antikörper, die die Kinder von ihren Müttern mitbekommen haben, unterschiedlich rasch sinken.

So hat einerseits drei bis sechs Monate nach Geburt nur noch jedes dritte Kind Antikörper gegen Windpocken, nach sechs Monaten keines mehr, wie eine neue Studie ergeben hat. Der Nestschutz darf also nicht überschätzt werden.

Andererseits besteht das Risiko, wenn zu früh geimpft wird, daß noch vorhandene Antikörper der Mutter den Lebendimpfstoff inaktivieren können. Dies ist der Hintergrund der Entscheidung der STIKO, den 11. Monat als Impfzeitpunkt gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken zu empfehlen.

Der beste Impfschutz wird also derzeit erreicht, wenn Kollegen sich an den STIKO-Empfehlungen orientieren.

Lesen Sie dazu auch:
Antikörper der Mutter schützen nur drei Monate gegen Windpocken

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