Ärzte Zeitung Extra, 09.09.2008

Prophylaxe

Kontaktpersonen wird Antibiose empfohlen

Enge Kontaktpersonen von Patienten mit Meningokokken-Meningitis haben ein erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Sie müssen über Vorsichtsmaßnahmen aufgeklärt werden.

Nur ein bis zwei Prozent aller Patienten mit Meningokokken-Meningitis sind sekundär infiziert, so das Robert-Koch-Institut in Berlin. Besonders gefährdet sind:

  • alle Haushaltsmitglieder,
  • Personen mit möglichem Kontakt zu oropharyngealen Sekreten des Patienten wie Intimpartner, enge Freunde, Banknachbarn in der Schule, medizinisches Personal nach Mund-zu-Mund-Beatmung, Intubation oder Absaugen ohne Atemschutz,
  • Kontaktpersonen in Einrichtungen für Kinder unter sechs Jahre,
  • enge Kontaktpersonen in anderen Gemeinschaftseinrichtungen wie Internaten, Wohnheimen oder Kasernen und
  • alle Menschen, die bis maximal sieben Tage vor Ausbruch der Infektion einen sehr engen Kontakt zum Patienten hatten.

Kontaktpersonen ist einzuschärfen, sich bei Frühsymptomen wie Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen sofort an einen Arzt zu wenden.

Zudem wird umgehend eine Chemoprophylaxe empfohlen, und zwar bis zehn Tage nach dem letzten Kontakt zum Patienten. Mittel der Wahl ist Rifampicin: für Kinder und Jugendliche bis 60 kg in der Dosierung von zweimal 10 mg/kg KG pro Tag (maximale Einzeldosis 600 mg), für ältere Jugendliche und Erwachsene zweimal 600 mg/Tag jeweils über zwei Tage. Möglich ist auch Ceftriaxon als i.m.-Applikation: Einmalgabe von 125 mg bei Kindern unter zwölf Jahren und von 250 mg bei älteren Kontaktpersonen. Ceftriaxon ist das Mittel der Wahl für Schwangere. Alternative für Personen über 18 Jahre ist schließlich eine orale Einmaldosis von 500 mg Ciprofloxacin. (ug)

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