Ärzte Zeitung, 11.11.2004

Noch ist die Zeit günstig für die Impfung gegen Influenza

Mit dem Grippeschutz wird die Sterberate alter Menschen klar gesenkt / Ältere Menschen brauchen zudem die Prophylaxe gegen Pneumokokken

NEU-ISENBURG (eis). Jetzt ist die Zeit noch günstig für die Grippe-Impfung. Außer älteren Menschen und chronisch Kranken wird die Prophylaxe Ärzten und dem Praxispersonal nahegelegt. Bei Risikopersonen ergänzt eine Pneumokokken-Impfung den Schutz vor schweren Atemwegsinfektionen.

Musiker Bill Ramsey schwört auf den Grippe-Schutz. Foto: Chiron Vaccines Behring

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Influenza- und Pneumokokken-Impfung allen Menschen ab 60 Jahre sowie chronisch Kranken etwa mit Diabetes, Herzkreislauf- oder Lungenleiden. Daß die Impfungen sehr sinnvoll sind, hat kürzlich eine schwedische Studie bestätigt: mit dem Schutz wurde die Sterberate bei alten Menschen über 64 Jahren um 40 Prozent reduziert (wir berichteten).

In der Studie im Landkreis Stockholm wurden im Dezember 1999 alle 258 724 Menschen der Region im Alter über 64 Jahre eingeladen, sich kostenlos gegen Grippe und Pneumokokken impfen zu lassen (Eur Res J 23, 2004, 363). 124 702 davon ließen sich gegen mindestens eine und 72 000 davon gegen beide Erkrankungen impfen.

Binnen zwölf Monaten starben von den Geimpften (eine oder beide Impfungen) 39,2 pro 1000 im Vergleich zu 61,2 von den Ungeimpften. Die Sterberate wurde also um etwa 40 Prozent reduziert.

Der additive Effekt beider Impfungen zeigte sich etwa bei der Rate von Klinikeinweisungen wegen Pneumonie: bei Grippe-Schutz reduzierte sich diese um sechs Prozent und bei Pneumokokken-Schutz um neun Prozent, bei beiden Impfungen um 29 Prozent.

Die Grippe-Impfung empfiehlt die STIKO außer Risikopatienten auch Personen mit Ansteckungsrisiken im Beruf. Die Impfung von Personal in Kliniken und Arztpraxen ist dabei auch zum Schutz der Patienten wichtig. "Das eigene Infektionspotential wird oft unterschätzt, weil bis zu 50 Prozent der Infektionen asymptomatisch verlaufen", betont zum Beispiel das Robert-Koch-Institut.

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