Ärzte Zeitung, 11.11.2004

Regionale Warnsysteme erleichtern die Influenza-Diagnostik

AGI-Wochenbericht und Frühwarnsystem RealFluTMregelmäßig in der "Ärzte Zeitung"

NEU-ISENBURG (eis). Wie läßt sich eine Influenza von anderen Atemwegsinfektionen am besten abgrenzen? Hilfreich hierzu sind die Daten zu den regionalen Virus-Aktivitäten aus den Wochenberichten der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) und dem tagesaktuellen Frühwarnsystem RealFluTM.

In Zeiten von Grippewellen reichen für die Influenza-Diagnostik die typischen klinischen Befunde aus, wie Dr. Rolf Heckler vom Nationalen Referenzzentrum für Influenza-Überwachung in Hannover berichtet (Kinder und Jugendarzt 35, 2004, 711).

Dazu gehören schlagartiger Krankheitsbeginn aus vollem Wohlbefinden heraus, Fieber, schweres Krankheitsgefühl, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie ein trockener Husten. Diese Leitsymptome sowie die Kenntnis, daß in der Region in hohem Maße Influenzaviren zirkulieren, sprächen mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent für eine Influenza, so Heckler.

Hinweise auf die Virusaktivitäten in Deutschland geben dabei der Influenza-Wochenbericht der AGI und das Frühwarnsystem RealFluTM des Unternehmens Hoffmann-La Roche. Beide Systeme ergänzen sich dabei gegenseitig.

Bei dem Roche-System melden etwa 300 Ärzte aus allen Regionen Deutschlands täglich den Prozentsatz von Patienten mit Influenza-ähnlichen Erkrankungen. Haben die Symptome vor weniger als 48 Stunden begonnen, wird bei einigen Patienten zudem ein Influenza-Schnelltest gemacht. Die Daten werden an einen Zentralrechner gemeldet und ausgewertet. Ab drei Uhr morgens ist der aktuelle Report online verfügbar.

"Mit RealFlu™ kann jeder schauen, was in seiner Region gerade los ist", erläutert Professor Werner Lange, der ehemalige Leiter des Robert-Koch-Instituts: "Ist die Karte für eine Region rot, heißt dies, daß jemand, der mit Grippe-Symptomen in die Praxis kommt, mit hoher Wahrscheinlichkeit Influenza hat."

Die AGI sammelt dagegen auch virologische Daten und macht statistische Auswertungen. "Die AGI kann nach dem Ende der Epidemie sagen, so viele Menschen sind in Deutschland erkrankt. Das kann RealFlu™ nicht", so Lange. Auch stelle die AGI differenziert dar, in welchen Regionen die Aktivität bei Atemwegserkrankungen wie stark ist.

Für das System der AGI melden 700 Ärzte aus dem Bundesgebiet wöchentlich Daten von Patienten mit Atemwegsinfekten. Außerdem schicken die Meldeärzte von einigen Patienten Rachenabstriche ein, die auf Influenzaviren untersucht werden. Hierbei werden auch die Typen der zirkulierenden Erreger ermittelt.

Sind in Ihrem Bundsland schon Grippeviren festgestellt worden? Darüber informieren wir Sie täglich mit dem aktuellen Grippe-Index

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