Ärzte Zeitung, 09.10.2006

KOMMENTAR

Hoffnung auf neue Influenza-Mittel

Von Thomas Müller

Sollte es eines Tages zu einer neuen Grippe-Pandemie kommen, was Virologen für unausweichlich halten, dann werden viele Menschenleben davon abhängen, ob es genug wirksame antivirale Mittel gibt.

Denn bis man einen Impfstoff gegen das neue Influenza-Virus produziert hat, können Monate vergehen. Einige Monate sind aber viel Zeit in einer Welt, in der infizierte Menschen die Viren in wenigen Tagen von einem Punkt der Erde an jeden anderen Punkt schleppen können.

Wenn Forscher jetzt eine neue Substanz gegen Influenza gefunden haben, dann läßt das zumindest hoffen, daß man das Arsenal der antiviralen Mittel noch erweitern kann, bevor es tatsächlich zur Pandemie kommt. Zwar sind mit Oseltamivir und Zanamivir bereits gute Arzneien gegen Influenza verfügbar, doch könnten bei einer Pandemie Resistenzen dagegen auftreten - erste Berichte über resistente Vogelgrippe-Viren gibt es bereits.

Da beide Mittel am selben Angriffspunkt, der Neuraminidase, ansetzen, wären auch Kreuzresistenzen denkbar. Gut, wenn man dann noch etwas in Reserve hat.

Das neu entdeckte antivirale Peptid setzt an einem anderen Angriffspunkt, dem Hämagglutinin, an und sollte daher auch bei Resistenzen gegen Neuraminidase-Hemmer wirken. Bis ein solcher Hämagglutinin-Hemmer jedoch zur Marktreife gelangt, dürften noch Jahre vergehen. In der Zwischenzeit kann man nur hoffen, daß das Mittel nicht dringend benötigt wird.

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