Ärzte Zeitung, 29.09.2009

Plädoyer für die Influenza-Impfung von Kindern

Viele Kleinkinder mit Influenza brauchen stationäre Therapie / Bei chronisch kranken Kindern wird schon jetzt zum jährlichen Schutz geraten

ERFURT (eis). Kleine Kinder kommen wegen Influenza-Komplikationen ähnlich oft in die Klinik wie alte Menschen, denen die Impfung empfohlen wird. Beim 3. Deutschen Influenza-Kongress in Erfurt plädierten Experten daher für die Influenza-Impfung von Kindern.

Influenza-Viren sind in Deutschland nach Rhinoviren und RSV die dritthäufigste Ursache für schwere Atemwegsinfekte, die bei Kindern eine stationäre Therapie erfordern. Das hat Professor Markus Knuf von der Unikinderklinik in Mainz berichtet. Wegen anatomischer Besonderheiten erkrankten Kleinkinder besonders schwer an Influenza: Ein nur 1 mm starkes Ödem im Bereich des Ringknorpels zum Beispiel erhöhe bei ihnen den Atemwiderstand 16fach, im Vergleich zu 3fach bei Erwachsenen.

Todesfälle durch Influenza würden bei Kleinkindern zwar sehr viel seltener als bei alten Menschen be-obachtet, aber sie kämen vor, betonte der Pädiater. So wurden in den USA während der Grippesaison 2003/04 insgesamt 153 an Influenza-Komplikationen gestorbene Kinder registriert. Knapp zwei Drittel von ihnen waren jünger als zwei Jahre alt und knapp die Hälfte der Gestorbenen war vor der Infektion gesund. In den USA wird deshalb bereits seit fünf Jahren die Impfung aller Kinder im Alter von 6 bis 23 Monaten empfohlen.

Aber auch die Impfung von Schulkindern würde sich lohnen, so Knuf. So erkranken ältere Kinder in der Regel zwar nicht so schwer wie Kleinkinder, doch sie infizieren sich besonders oft mit Influenza und geben die Viren als sogenannte Superspreader in der Bevölkerung weiter. 15 bis 40 Prozent der Kinder würden nach Schätzungen bei Grippewellen symptomatisch infiziert. "Viele Argumente sprechen sehr eindeutig für die universelle Grippe-Impfung von Kindern", so Knuf.

Allerdings seien Studien zur Langzeit-Verträglichkeit und Wirksamkeit etwa der adjuvierten Impfstoffe noch nicht abgeschlossen. Bisher hätten sich auch inaktivierte Lebendimpfstoffe, die es bei uns noch nicht gibt, bei Kindern als besonders wirksam erwiesen. Bereits heute rät die Ständige Impfkommission, Kinder mit chronischen Krankheiten jährlich zu impfen, etwa Kinder mit Herzkreislauf- oder Atemwegsleiden oder mit Diabetes.

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