Ärzte Zeitung, 10.02.2011

Wie wurden die Pandemiepläne umgesetzt?

BERLIN (hub). Ärzte in Hessen seien während der Pandemie kontinuierlich informiert worden, etwa via Internet, sagte Dr. Helmut Uphoff, Vertreter des auch für Gesundheit zuständigen hessischen Sozialministeriums.

Zudem sei die Impfstrategie schnell angepasst worden, als evident war, dass die Schweinegrippe meist mild verlaufe. "Das Ziel war dann nur noch, Personen in Schlüsselpositionen wie Medizinpersonal, Polizei und Feuerwehr sowie Menschen mit Risikofaktoren zu impfen", so Uphoff.

Zuvor war geplant, die gesamte Bevölkerung gegen das neue H1N1-Virus zu immunisieren. Die Impfraten in Deutschland lagen demnach insgesamt zwischen 4,2 Prozent in Baden-Württemberg und knapp 11 Prozent in Sachsen-Anhalt - im Mittel bei 6,4 Prozent, so Uphoff bei der internationalen Konferenz "Controversies in Vaccination in Adults" in Berlin.

Probleme habe es vor allem durch den Impfstoff gegeben. So meldeten 50 Prozent der Ärzte in einer Befragung, sie hätten organisatorische Probleme durch die Zehner-Fläschchen gehabt, und 70 Prozent gaben an, sie hätten Impfstoff verwerfen müssen.

Jeder Zweite sagte, dass parallel zu den Impfungen die Praxen mit anderen Patienten voll gewesen seien, was das Procedere verkompliziert habe. Doch nicht einmal jeder Zweite hatte eine spezielle Impfsprechstunde. 80 Prozent der Ärzte waren zudem mit der Vergütung für die Impfung unzufrieden.

Als großen Fehler in der Kommunikation räumte Uphoff die Impfempfehlung für Schwangere mit einem nicht-adjuvantierten Spaltimpfstoff ein. Eine solche Vakzine war zum Zeitpunkt der Impfempfehlung gar nicht verfügbar. Allerdings verwies Uphoff hier auf die Impfkommission STIKO. Eine mangelnde Abstimmung aller Beteiligten wurde schon während der Pandemie 2009 klar.

Kongress-Berichte Impfungen von Erwachsenen:
H1N1 - extrem schnell und wenig pathogen
Herkunft und Bildung hatten Einfluss auf die H1N1-Impfrate in Schweden
Herdenimmunität gibt's nicht, nur Herdenprotektion
Hoher Nutzen der Impfung gegen saisonale Grippe
Wie wurden die Pandemiepläne umgesetzt?

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »