Ärzte Zeitung, 31.03.2006

KOMMENTAR

Gefährliche Geflügel-Impfungen

Von Thomas Müller

Impfungen sind eine feine Sache - nicht nur für Menschen, auch für Tiere. Bei Tieren allerdings nur unter einer Bedingung: Daß nämlich die geimpften Tiere den Erreger nicht weitergeben.

Bei vielen Impfstoffen ist das so. Die geimpften Tiere bleiben nicht nur gesund, sie produzieren auch keine Erreger, mit denen sie andere anstecken können. Einen Erreger kann man durch Impfungen sogar komplett ausrotten, wenn die Population weitgehend durchgeimpft ist.

So verschwand die Tollwut in vielen Ländern aufgrund von effektiven Impfprogrammen. Auch die Pockenimpfung bei Menschen ist dafür eine gutes Beispiel. Die Impfung von Geflügel gegen Vogelgrippe ist es leider nicht. Denn bisher gibt es keinen Impfstoff gegen H5N1, der eine Weitergabe der Erreger verhindert.

So werden bei der Geflügelimpfung Vakzinen gegen andere H5-Viren verwendet, die mit H5N1 kreuzreagieren. Diese Vakzinen schützen zwar vor einer Erkrankung, aber nicht vor einer Infektion. Das H5N1-Virus kann sich in den geimpften Tieren vermehren und kann weitergegeben werden, offenbar auch an Menschen.

Wenn die Berichte aus China stimmen, daß sich Menschen bei geimpftem Geflügel mit H5N1 angesteckt haben, dann sollte man in Deutschland nicht länger über Impfungen diskutieren. Es wäre absurd, wenn bei einem Vogelgrippe-Ausbruch zwar die Hühner gesund bleiben, aber dafür die Hühnerhalter krank werden oder gar sterben.

Lesen Sie dazu auch:
H5N1-Infektion durch Kontakt mit lebendem Geflügel

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