Ärzte Zeitung, 08.04.2010

FSME-Gefahr auch im Hochgebirge?

MÜNCHEN (wst). In Mitteleuropa galten Höhen über 1000 m lange als weitgehend frei von Zecken und folglich auch von Infektionen mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Doch dann schienen sich Meldungen zu häufen, wonach FSME-Viren sogar die 1500-m-Grenze überschritten hätten. Tatsächlich aber liegt dem offenbar nur eine einzige, eher kuriose Beobachtung zugrunde.

FSME-Gefahr auch im Hochgebirge?

Überträgerin von FSME war eine Ziege. Der Ursprung der Viren ist ungewiss. © Neuhauß / fotolia.com

Über die 2008 veröffentlichte Geschichte aus Österreich hat Professor Jochen Süß vom Friedrich-Loeffler Institut aus Jena auf einer Veranstaltung in München berichtet. Demnach hatte ein Senn (Almhirte) auf seiner Alm in etwa 1560 m Höhe frischen Ziegenkäse zubereitet. Er und sechs Gäste aßen diesen Käse, worauf vier von ihnen FSME-Symptome bekamen. Bei den vier Personen und zwei weiteren Teilnehmern der Mahlzeit wurden zudem Antikörper gegen FSME-Viren nachgewiesen. Nur einer aus der Tischrunde hatte weder FSME-Symptome noch Antikörper gegen das Virus.

Bekannt ist, dass FSME-Viren mit Rohmilch übertragen werden können. Dass tatsächlich der Käse die Ursache für die Infektionen war, legt ein weiterer Befund nahe: Ferkel, die mit Abfallprodukten aus der Käseherstellung gefüttert worden waren, hatten ebenfalls FSME-spezifische Antikörper, sagte Süß auf der Veranstaltung des Unternehmens Baxter.

Da die Milch für den kontaminierten Käse nur von einem einzigen Tier stammte, war die Schuldige schnell gefunden: Ziege Bianca, deren Serum sich dann auch als FSME-Antikörper-positiv erwies. Sie stammte jedoch aus einem FSME-freien Tal und war mit einem Geländewagen ohne Umwege auf die Alm gebracht worden, und zwar zu einem Zeitpunkt, der länger zurücklag als die übliche FSME-Inkubationszeit.

Die Wissenschaftler folgerten daher, Bianca habe sich eine Zecke samt den FSME-Viren auf der Alm eingefangen. Dass sie aber erst dort von einer befallenen Zecke gestochen wurde, ist eher unwahrscheinlich. Antikörper gegen FSME-Viren nämlich wurden bei keiner einzigen der 105 Milchkühe nachgewiesen, die mit der Ziege einen Frühsommer lang die Weide geteilt hatten.

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