Ärzte Zeitung, 12.05.2010

FSME-Risiko auch durch unbehandelte Rohmilch

FSME-Risiko auch durch unbehandelte Rohmilch

In unbehandelter Rohmilch können sich die Erreger der FSME verstecken. © Matthew Bowden / fotolia.com

MÜNCHEN (wst). Früher wurde das Frühsommermeningoenzephalitis (FSME) auslösende Virus auf Menschen häufiger durch kontaminierte Milch als durch Zecken übertragen. Heute spielt dieser Infektionsweg bei uns praktisch keine Rolle mehr, völlig ausgeschlossen ist er aber nicht.

Infiziert sich Milchvieh durch den Stich einer Zecke mit dem FSMEVirus, verläuft dies in der Regel subklinisch und die Tiere erwerben rasch eine anhaltende Immunität gegen den Erreger. Während einer mehrtägigen akut virämischen Phase können aber Viren mit der Milch ausgeschieden werden.

Wird diese unbehandelt von Menschen getrunken, besteht ein höheres Risiko für eine FSME-Erkrankung als beim Stich einer virusinfizierten Zecke, hat Dr. Gerhard Dobler vom Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München auf einer Pressekonferenz in München betont.

Die ehedem "biphasisches Milchfieber" genannte Infektion mit dem FSME-Virus über Milchgenuss ist durch vermehrte Stallhaltung, veterinärmedizinische Prophylaktika und vor allem dank routinemäßiger Aufbereitung der Milch wie Abkochen oder Pasteurisierung praktisch bedeutungslos geworden.

Seltene Kasuistiken zu diesem Phänomen liegen inzwischen aber auch aus mitteleuropäischen Ländern wieder vor, zum Beispiel aus Österreich aus dem Jahre 2008: Hier hatten vier von sieben Menschen nach dem Verzehr eines aus unbehandelter Rohmilch hergestellten Ziegenkäses serologisch bestätigte FSME-Symptome entwickelt (wir berichteten).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »