Ärzte Zeitung, 05.11.2004

Forschung und Medizin für Krebs-Patienten

Deutsches Krebsforschungszentrum feiert 40jähriges Bestehen / Einrichtung verstärkt Verzahnung von Grundlagenforschung und Klinik

HEIDELBERG (bd). Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ist in die besten Jahre gekommen. Sein 40. Geburtstag wird heute in einer Festveranstaltung gefeiert. Wenn alles so klappt wie geplant, wird das DKFZ an der Schwelle zu seinem fünften Lebensjahrzehnt den Anspruch einlösen, der von seinem Gründer, dem Chirurgen, Professor Karl Heinrich Bauer, an die Institution gestellt wurde: Im Mittelpunkt habe der krebskranke Mensch zu stehen.

Hauptgebäude des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Foto: dpa

Ein Institut für Tumorpathologie der Ratten und Mäuse solle das DKFZ nicht sein, so Bauer. Mit der Gründung eines Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in engstem Kontakt mit dem DKFZ und in fester Kooperation mit den Kliniken scheint der oft beklagte Geburtsfehler des DKFZ, nämlich die mangelnde Anbindung an die Patienten, nun tatsächlich behoben zu werden.

Meilensteine

Markante Daten in der Geschichte des DKFZ

  • 28. 1. 1964
    Die baden-württembergische Landesregierung errichtet in Heidelberg die Stiftung Deutsches Krebsforschungs-
    zentrum (DKFZ)
  • 3. 3. 1964
    Der Chirurg Karl Heinz Bauer wird Stiftungsbeauftragter
  • 28. 6. 1977
    Das DKFZ wird Mitglied der Deutschen Forschungs-
    gemeinschaft (DFG)
  • 9. 3. 1979
    Gründung des Tumorzentrums Heidelberg / Mannheim
  • April 1986
    Gründung des telefonischen Krebsinformations-
    dienstes KID
  • 4. 5. 1992
    Einweihung des neuen Gebäudes für den Schwerpunkt "Angewandte Tumorvirologie"
  • 22. 6. 1992
    Beschluß zur Einrichtung gemeinsamer Klinischer Kooperationseinheiten
  • 12. 12. 2002
    Eröffnung eines WHO-Kollaboratoriums für Tabakkontrolle
  • Januar 2004
    Beginn des Aufbaus des "Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen" (Quelle: einblick)

Der jetzige DKFZ-Chef Professor. Otmar D. Wiestler will dem Zentrum in den nächsten Dekaden denn auch eine neue Richtung geben, nämlich Allianzen mit den Kliniken und der Industrie eingehen. Vorrangiges Ziel ist es, Forschungsergebnisse schneller in die Kliniken zu bringen.

Die Zeiten sind günstig, daß dies in Deutschland endlich gelingen könnte: Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz eröffnet die Möglichkeit, solche integrierten Zukunftsmodelle zu etablieren; die neue Forscher- und Ordinariengeneration ist mit Enthusiasmus dabei, mit dem NCT ein Projekt auf den Weg zu bringen, das die Krebsmedizin in Deutschland voranbringt. Und schließlich sind nach Einschätzung des ehemaligen DKFZ-Chefs Professor Harald zur Hausen erst in den letzten fünf bis zehn Jahren Techniken aus der Grundlagenforschung entstanden, die einen Transfer in die praktische Anwendung ermöglichen.

In den 60er und 70er Jahren war das neu gegründete Zentrum als Stiftung des öffentlichen Rechts damit beschäftigt, "seinen Platz in der deutschen Forschungslandschaft zu suchen", wie es in der DKFZ-Zeitschrift "einblick" heißt. Als das Zentrum Mitte der 70er Jahre zur Großforschungseinrichtung und damit dem Bund unterstellt wurde, war das Umfeld für eine effektive Krebsforschung in Deutschland nicht gerade günstig: Krebs war in Wissenschaft und Öffentlichkeit ein absolutes Tabuthema, wie sich die frühere DKFZ-Sprecherin Hilde Stamatiadis-Smidt erinnert. Die Krebsforscher führten weitgehend ein Elfenbeinturmdasein, das die Kliniker durch ihre abwehrende Haltung noch förderten. Im internationalen Wissenschaftsvergleich schnitten die deutschen Krebsforscher folglich schlecht ab.

Nachdem das Zentrum Anfang der 80er Jahre an einem Tiefpunkt angelangt war, begann in der Folgezeit unter der Führung des Immunologen Professor Otto Westphal die Phase der Konsolidierung. Die fehlende Patientenanbindung suchte man durch die Installierung des Tumorzentrums Heidelberg-Mannheim im Jahre 1979 mit den Vertragspartnern DKFZ, Universitätskliniken Heidelberg und Mannheim sowie der Thoraxklinik in Heidelberg-Rohrbach aufzufangen. Damit begann ein vorsichtiges Zusammenwachsen der Forschergruppen aus der Klinik und dem Krebsforschungszentrum.

Die folgenden 20 Jahre unter der Ägide des Tumorvirologen Professor Harald zur Hausen waren von Reformen und Veränderungen geprägt und machten das Haus zu einer Forscherinstitution mit internationalem Spitzenrang in der Grundlagenforschung. Zur Hausen schuf nach seiner Amtsübernahme 1983 eine neue Forschungsstruktur. Die Institute wurden zugunsten themenbezogener Forschungsschwerpunkte aufgelöst, interne und externe Begutachtungen eingeführt und leistungsbezogene Mittelzuweisungen vereinbart.

Zur Hausen hat die Genomforschung ins Haus geholt und die Tumorvirologie etabliert. Im Jahre 1986 wurde der telefonisch Krebsinformationsdienst (KID) für die Bürger gegründet. Mit dieser beispielhaften Einrichtung haben Hilke Stamatiadis -Smidt und die Psychoonkologin Professor Almuth Sellschopp das Thema Krebs aus der Tabuzone geholt. Später wurde dieses Anliegen durch Herausgabe der Zeitschrift "einblick", in der die Arbeit im Krebsforschungszentrum und Themen rund um den Krebs verständlich dargestellt werden, noch unterstrichen.

Eine bessere Verzahnung von Grundlagenforschung und klinischer Medizin wurde erneut mit dem Aufbau klinischer Kooperationseinheiten des DKFZ in Kliniken Anfang der 90er Jahre begonnen. Zur Hausen sieht diese Einheiten rückblickend als "Türöffner" für das "Nationale Centrum für Tumorerkrankungen" (NCT). Auf diesem gut bestellten Feld kann Wiestler nun das DKFZ mit seinen 2500 Mitarbeitern in neue Gewässer lenken.

Lesen Sie dazu auch:
Zentrale Anlaufstelle für Tumorpatienten
"Entscheidende Beiträge in der Krebsforschung"

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