Ärzte Zeitung, 28.03.2006

Prophylaxe senkt das Risiko von Mykosen

Hämatoonkologische Erkrankungen / Geschwächte Immunabwehr / Auswirkungen auf Gesamtsterblichkeit belegt

BERLIN (sko). Zur Prophylaxe einer invasiven Mykose bei Patienten mit hämatoonkologischen Erkrankungen gelten Itraconazol und Fluconazol als Standard. Mit Daten belegt ist diese Wirkung für Posaconazol: Im Vergleich zum Standard ging die Zahl der invasiven Mykosen dadurch signifikant zurück.

Ein Wissenschaftler deutet auf ein Schaubild mit Lungengewebe, das mit Aspergillus fumigatus infiziert ist. Foto: dpa

Invasive Pilzinfektionen sind immer noch ein großes Risiko für Patienten mit geschwächter Immunabwehr: "Nach wie vor ist die Gesamtsterblichkeit durch invasive Mykosen sehr hoch", sagte Professor Meinolf Karthaus aus Bielefeld.

Als Zahlen nannte er beim Deutschen Krebskongreß in Berlin Letalitätsraten zwischen 29 und 55 Prozent für invasive Aspergillosen und 30 bis 42 Prozent für invasive Candidiasis. Erschreckend dabei: "75 Prozent der Mykosen werden erst nach dem Tod diagnostiziert", so der Infektiologe.

Damit es bei Patienten mit entsprechendem Risiko gar nicht erst soweit kommt, kann eine Prophylaxe hilfreich sein. Eine neue Option ist hier Posaconazol (Noxafil®). Damit behandelte Patienten hatten in einer Studie nicht nur seltener Mykosen als die Kontrollgruppe, sondern bei ihnen war auch das Überleben verlängert. Privatdozent Dr. Oliver A. Cornely von der Universität Köln hat diese Studie bei der vom Unternehmen essex pharma unterstützten Symposium vorgestellt.

Teilnehmer waren 602 Patienten, die eine Neutropenie nach einer akuten myeloischen Leukämie (AML) oder einem Myelodysplastischen Syndrom MDS) hatten. Die Patienten erhielten entweder den bisherigen Standard (Fluconazol oder Itraconazol) oder drei mal täglich 200 mg Posaconazol. Primärer Endpunkt war die Rate an invasiven Mykosen.

Im sekundären Endpunkt wurde auch die Mortalität unter-sucht. In der Posaconazol-Gruppe kam es zu sieben Erkrankungen, mit dem Standard hingegen zu 25. Den Unterschied machten hauptsächlich Aspergillus-Infektionen aus: Mit Posaconazol kam es zu zwei dieser Infektionen, mit dem Standard hingegen zu 20.

Doch was nach Ansicht von Cornely noch entscheidender war: Die Letalität war in der Gruppe mit dem neuen Triazol-Derivat signifikant geringer als mit Itraconazol oder Fluconazol. "Diese Studie belegt zum ersten Mal, daß eine Prophylaxe gegen invasive Mykosen die Gesamtsterblichkeit bei diesen Patienten senken kann", kommentierte Cornely die Ergebnisse.

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