Ärzte Zeitung, 22.01.2007

Bei Knochenkrebs sind Bisphosphonate eine gut verträgliche Option

Rate unerwünschter Wirkungen bei zwei bis drei Prozent

MÜNCHEN (eim). Bisphosphonate sind unverzichtbar in der Therapie von Krebskranken mit Knochenmetastasen. Um Schmerzen zu lindern und skelettalen Komplikationen vorzubeugen, können die Mittel oral oder i.v. angewandt werden. Da die Therapie oft viele Jahre erfolgt, werden jetzt unerwünschte Wirkungen mehr beachtet.

Die meisten unerwünschten Wirkungen einer Bisphosphonat-Therapie betreffen Magen, Darm und Niere, so Professor Ingo J. Diel vom Centrum für Ganzheitliche Gynäkologie in Mannheim. Unerwünschte Gastrointestinale Wirkungen treten zwar bei allen oral anwendbaren Bisphosphonaten auf, seien aber weitaus seltener als von vielen Onkologen behauptet, so Diel bei einer auch von Roche Pharma unterstützen Veranstaltung in München.

Auch Akute-Phase-Reaktionen mit grippeähnlichen Symptomen würden nur bei Aminobisphosphonaten auftreten und auch nur nach der ersten Infusion, so Diel. Ursache dieser Reaktionen ist eine Interleukin-Ausschüttung.

Eine weitere relativ häufige unerwünschte Wirkung ist die Nierenschädigung bei intravenöser Bisphosphonat-Therapie. Es bestünden bei dieser Applikationsweise aber große Unterschiede in der Komplikationsrate der einzelnen Substanzen. Dies lasse sich vor allem mit deren unterschiedlicher Pharmakokinetik erklären.

So sei die Rate unerwünschter renaler Wirkungen mit Ibandronat (in Deutschland als Bondronat® erhältlich) nicht höher als mit Placebo. Auch sei kein Hinweis auf eine sich akkumulierende Nierentoxizität durch das Mittel zu erkennen, so Diel. Hoch dosiertes Ibandronat hatte selbst bei schweren metastatischen Knochenschmerzen keine zusätzlichen unerwünschten Wirkungen im Vergleich zur Standarddosis.

Eine derzeit viel diskutierte, wenn auch seltene, unerwünschte Wirkung der hochdosierten Bisphosphonat-Therapie bei Krebskranken ist die Kiefer-Osteonekrose. Der Wirkmechanismus ist derzeit noch ungeklärt. Ebenso unbeantwortet ist die Frage, warum nur der Kiefer befallen ist. Vermutlich ist außer den Bisphosphonaten selbst auch die Zahngesundheit der Patienten bei Beginn der Behandlung relevant. Eine Osteonekrose wird vorwiegend bei einer hoch dosierten intravenösen Therapie beobachtet.

Selbst die am häufigsten eintretenden unerwünschten Wirkungen betreffen nur bis zu drei Prozent der Patienten. Daher sei eine Bisphosphonat-Therapie weitaus sicherer und verträglicher als die meisten anderen Krebstherapien, resümierte der Onkologe.

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