Ärzte Zeitung, 21.01.2008

Vermeintlicher Insektenstich war ein Weichteiltumor

Biopsie bestätigte Verdacht auf atypischen Granularzelltumor

WIESBADEN (ner). Granularzelltumoren sind im Allgemeinen gutartige Weichteiltumoren. Es gibt allerdings auch bösartige Varianten. Dieser Verdacht bestand auch bei einem 48-jährigen Mann aus Wiesbaden. Er hatte seinen angeblichen "Insektenstich" anderthalb Jahre lang selbst behandelt.

Aus einem Hautulkus an der rechten Schulter war allmählich eine doppelt Handteller-große, teils nässende und nekrotisierende Ulzeration geworden. Sie umfasste die hintere Oberarmregion, die Achsel und die Skapularregion. Einen Arzt hatte der Mann bislang jedoch nicht aufgesucht. Seine Motivation zu einem Besuch der Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken lag in der zunehmenden Geruchsbelästigung, berichten Dr. Thorsten Fink aus Wiesbaden und seine Kollegen (Pathologe 28, 2007, 273). Axillär waren vergrößerte Lymphknoten zu tasten. Sensomotorisch war noch alles in Ordnung. Zusätzlich lag ein entgleister Diabetes mellitus vor (Blutzucker: 321 mg/dl). Auffällig war außerdem eine Hautmykose in den Leisten und am Bauch.

Zwei bis drei Prozent aller Granularzelltumoren sind maligne.

Die bildgebenden Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf Knochen- oder Weichteilmetastasen. Die Biopsien aus dem Randbereich der Haut sowie dem Zentrum der Läsion bestätigten den Verdacht auf einen atypischen Granularzelltumor. Es konnte nicht ganz geklärt werden, ob er bösartig war. Dazu müssen mindestens drei von sechs histologischen Kriterien erfüllt sein. Bei dem Patienten lagen nur zwei der Kriterien vor: eine erhöhte Mitoseaktivität der Zellen und fokale Spindelzellproliferate. Wegen der vergrößerten Lymphknoten und nicht mit Sicherheit auszuschließender Malignität sprach sich ein Tumorboard für die radikale Resektion des Granularzelltumors mit Ausräumung der axillären Lymphknoten aus.

Dies gelang, musste aber mit erheblichen Weichteildefekten am Oberarm (M. triceps brachii, M. deltoideus) sowie an der seitlichen Thoraxwand erkauft werden. Insgesamt sind eindeutig maligne Formen nur bei zwei bis drei Prozent aller Patienten mit Granularzelltumoren anzutreffen, berichten Fink und seine Kollegen. Dann müsse man mit einer Letalität von etwa 40 Prozent rechnen.

Womöglich können zunächst gutartige Granularzelltumoren bei langem klinischen Verlauf eine maligne Transformation durchmachen. Differenzialdiagnostisch müssen weitere Krebsarten wie das Leiomyosarkom oder ein Plattenzell-Ca abgegrenzt werden. Zudem kann es nach Traumen zu granulären Veränderungen mit entzündlichen Infiltraten und Nekrosen kommen.

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