Ärzte Zeitung, 01.10.2015

Ernährung

Deutschland schwimmt nicht mehr in Transfetten

Trans-Fettsäuren gelten als Gift für die Gesundheit. Neue Studien zeigen nun, dass sich der Kampf gegen die "bösen" Fette gelohnt haben könnte: Der Konsum scheint in Deutschland eine unbedenkliche Grenze erreicht zu haben.

Von Veronika Schlimpert

Konsum von Transfetten erfolgreich gesenkt?

Transfette - aus Burgern und frittierten Pommes - haben einen schlechten Ruf.

© Julia Wesenberg / fotolia.com

MANNHEIM. Transfette - also ungesättigte Fettsäuren mit mindestens einer Doppelbindung in Trans-Konfiguration - haben einen schlechten Ruf. Unterscheiden muss man dabei allerdings zwischen industriell gefertigten Trans-Fettsäuren (TFA) und natürlichen Trans-Fettsäuren, die im Pansen von Wiederkäuern entstehen (ruminante TFA).

Erstere entstehen bei der Härtung pflanzlicher Fette oder etwa beim Frittieren. Die nicht ruminanten TFA wurden in diversen Studien mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzerkrankung, Diabetes, bestimmte Krebsarten und Alzheimer in Verbindung gebracht.

Die WHO oder die Deutsche Gesellschaft für Ernährung raten seither, möglichst wenig solcher Transfette zu konsumieren. Zudem gab es in einzelnen Länder Initiativen mit dem Ziel, den TFA-Gehalt aus teilgehärteten Fetten in Lebensmitteln zu reduzieren.

Haben sich die Mühen gelohnt?

Dass sich diese Anstrengungen geloht haben könnten, deutet eine aktuelle Studie aus Deutschland an (Eur Heart J 2015, online 23. September). Erstaunlicherweise war in dieser Untersuchung nämlich keine TFA mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert.

Die natürlicherweise vor allem in Milchprodukten vorkommende Trans-Palmitoleinsäure scheint demnach sogar mit einer niedrigeren Mortalität assoziiert zu sein. Für das Forscherteam um Marcus Kleber von der Universität Heidelberg in Mannheim könnten diese Befunde ein Hinweis darauf sein, dass in Deutschland vielleicht bereits eine unbedenkliche Aufnahmemenge von TFA erreicht wurde.

Denn der mittlere TFA-Gehalt in den Erythrozytenmembranen der 3259 zwischen 1997 und 2000 rekrutierten Teilnehmer der LURIC-Studie ("Ludwigshafen Risk and Cardiovascular Health") betrug gerade mal 0,96 Prozent des Gesamtfettsäureanteils.

Er lag damit deutlich niedriger, als es für eine ähnliche Zeitspanne in den USA berichtet wurde (2,68 Prozent in Harris et al. 2012).

Keine TFA erhöhte die Sterblichkeit

Keine der identifizierten TFA erhöhte die Gesamtsterblichkeit, kardiovaskuläre Sterblichkeit oder das Risiko für einen plötzlichen Herztod - auch die industriell gefertigten nicht.

Der Anteil der Trans-Palmitoleinsäure machte dabei etwa 15 Prozent der Transfette aus. Diese Fettsäure war mit einem geringeren Risiko für die Gesamtsterblichkeit, kardiovaskuläre Sterblichkeit und den plötzlichen Herztod assoziiert; jedoch war diese Assoziation nach Adjustierung auf diverse Faktoren nur beim plötzlichen Herztod signifikant.

Basierend auf diesen Daten scheine ein TFA-Gehalt bis zu einem gewissen Grenzwert gesundheitlich unbedenklich zu sein, schreiben die Autoren. Des Weiteren könne man spekulieren, ob eine zusätzliche Anreicherung von Milchprodukten mit Trans-Palmitoleinsäure oder sogar eine direkte Supplementierung im Hinblick auf das kardiovaskuläre Risiko sinnvoll sein könne.

So wurde bereits in einer früheren Studie gezeigt, dass diese Fettsäure das Diabetesrisiko positiv zu beeinflussen vermag. Jedoch müssten all diese Annahmen erst durch weitere Untersuchungen belegt werden, schränken die Forscher ein.

Vorsicht mit Verallgemeinerung

Alle LURIC-Teilnehmer wurden wegen Brustschmerzen oder positiven Stresstests einer Koronarangiografie zugeführt; 975 (29,9 Prozent) starben während des zehnjährigen Follow-up, 18,8 Prozent an kardiovaskulären Ursachen, 7,8 Prozent an einem plötzlichen Herztod.

Somit könnte der niedrige TFA-Gehalt auch auf die Ernährungsgewohnheiten der gesundheitlich vorbelasteten Teilnehmer zurückzuführen sein. Womöglich hatten sie die Transfettaufnahme auf Rat ihres Arztes bereits reduziert.

Daten zur Ernährung wurden nicht erhoben. Einschränkend erwähnen sollte man, dass die Fettsäurezusammensetzung der Erythrozytenmembranen nur zu Studienbeginn bestimmt wurde. Eine Verallgemeinerung der Ergebnisse ist daher nur bedingt möglich.

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