Ärzte Zeitung, 18.05.2016

Pilotstudie zu Hautkrebs

Mit Eiseskälte gegen Basalzellkarzinome

Mit einer Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff lassen sich Basalzellkarzinome der unteren Extremität bei komorbiden Älteren erfolgreich eliminieren. Israelische Ärzte haben jetzt ihre guten Erfahrungen mit der intraläsionalen Applikation bei acht Patienten im Alter über 60 Jahre vorgestellt.

Von Peter Leiner

HAIFA. Die Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff, aber auch die CO2- Lasertherapie gelten als alternative Strategien zur Behandlung von Patienten mit Basalzellkarzinomen.

Der Vorteil der intraläsionalen Applikation sei dabei, dass das Einfrieren der malignen Zellen vom Inneren des Karzinoms erfolge und komplett nach außen reiche, berichten der Chirurg Dr. Yaron Har-Shai vom Carmel Medical Center in Haifa in Israel und seine Kollegen.

Von außen aufgebrachte Kälte erreiche nicht komplett das Zentrum des Malignoms. Und weil bei älteren Patienten die chirurgische Exzision mit einer Infektionsrate von fast neun Prozent assoziiert sei, hätten sie prospektiv diese Kryotherapie mit flüssigem Stickstoff bei zehn Basalzellkarzinomen geprüft, die sie bei acht Patienten im Alter über 60 Jahre an den Beinen diagnostiziert hatten (Int J Dermatol 2016; 55(3): 342-350).

Sieben von diesen Patienten hatten eine Hypertonie, vier Patienten eine Hypercholesterinämie und je ein Patient litt an Diabetes, einer tiefen Beinvenenthrombose, Herzinsuffizienz oder Niereninsuffizienz. Har-Shai hat bereits umfangreiche Erfahrungen mit der Methode bei Patienten mit Keloiden gesammelt.

Für die Kryotherapie verwendeten die Ärzte das CryoShape-System des Unternehmens Etgar Group International. Dabei wird eine Nadel unter Lokalanästhesie mit Bupivacain 0,5% horizontal zwei bis drei Millimeter so unterhalb des Karzinoms platziert, dass die Ein- und Austrittsstelle im gesunden Gewebe liegt und somit ein Kranz von 5 bis 10 mm im Gesunden entsteht.

Unter Druck strömt anschließend flüssiger Stickstoff in die Nadel, wodurch innerhalb weniger Sekunden an der Ein- und Austrittsstelle kleine Eisbällchen entstehen. Sie gehen ineinander über, je länger die Prozedur dauert.

Wie die israelischen Wissenschaftler berichten, dauerte die Kryotherapie im Durchschnitt fünf Minuten bei einer durchschnittlichen Karzinomgröße von 2,49 cm2. Nach dem Auftauen der Nadel wurde diese wieder entfernt. Während der Prozedur sank die Oberflächentemperatur auf minus 15,55 +/- 6,77 Grad Celsius. Sie lag damit deutlich höher als die bei der Kryotherapie epithelialer Hauttumoren erreichte Temperatur von minus 50 Grad Celsius.

Nach im Mittel 79,9 Tagen war die behandelte Hautstelle verheilt. Nur drei Patienten berichteten von leichten Schmerzen an der Behandlungsstelle, vor allem beim Gehen. Drei Monate nach der Heilung wurden erstmals Biopsien jeweils aus dem Zentrum des Narbengewebes entnommen.

Die Ergebnisse: Bei allen zehn Proben konnten keine Krebszellen mehr nachgewiesen werden. Dies war auch bis zum Ende des Follow-up von 28 Monaten der Fall.

 Es kam darüber hinaus auch bei keinem Patienten zu einer Wundinfektion oder zu einem Tumorrezidiv, wie die Ärzte berichten. Nur bei zwei Patienten habe sich eine Hypergranulation entwickelt. Alle anderen Patienten waren mit dem Behandlungsresultat sowie auch mit dem kosmetischen Ergebnis der Therapie zufrieden.

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