Ärzte Zeitung, 20.02.2008

Migranten wird Vorsorge bei Darmkrebs nahegebracht

Pilotprojekt der Stiftung LebensBlicke beginnt im März

LUDWIGSHAFEN (bd). Im Darmkrebsmonat März beginnt ein Pilotprojekt zur Darmkrebs-Früherkennung bei türkischen Migranten. Veranstalter sind die Stiftung LebensBlicke e.V. zusammen mit der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung e.V. (TDG).

Ziel ist es, den türkischstämmigen Mitbürgern die Koloskopie zur Früherkennung nahezubringen, wie Professor Jürgen F. Riemann, Initiator und Vorsitzender der Stiftung LebensBlicke in Ludwigshafen erläuterte. Die Stiftung feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Jubiläum.

"Der Darm hat überall die gleiche Kultur", sagte Riemann. Deutsche und Türken erkranken gleich häufig an Darmkrebs. In Deutschland gibt es ungefähr 70 000 Neuerkrankungen jährlich, etwa 30 000 Menschen sterben daran.

Dr. Yasar Bilgin aus Gießen, der Vorsitzende der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung, verwies auf die Bedeutung der niedergelassenen Ärzte. Ihnen komme die Aufgabe zu, türkische Patienten auf die Vorsorge-Koloskopie aufmerksam zu machen. In einer bundesweiten Mail-Aktion haben türkisch sprechende Ärztinnen und Ärzte in Deutschland Aufklärungsbroschüren der Stiftung LebensBlicke in türkischer Sprache bekommen.

Als wichtige Vermittler der Darmkrebs-Früherkennung sieht Bilgin auch die türkischen Prediger in den Moscheen. So findet das erste Informationsseminar zur Darmkrebs-Früherkennung am 2. März in der Mannheimer Moschee statt. Weitere solcher Veranstaltungen folgen am 12. März in Frankfurt/Main und am 15. März in Stuttgart. In den Aufklärungsseminaren erfahren die Migranten in ihrer Muttersprache Wissenswertes über die Risiken für Darmkrebs und über Methoden der Früherkennung.

Ab März bietet die Stiftung auch für italienische und russische Migranten Informationsbroschüren in der jeweiligen Landessprache kostenlos unter stiftung@lebensblicke.de an.

Professor Maria Böhmer sieht die landessprachlichen Gesundheitsbroschüren als wesentlichen Bestandteil gesundheitlicher Aufklärung. Das sei eine gute Möglichkeit, Zugangsbarrieren zum Gesundheitssystem abzubauen, sagte die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration.

In Deutschland leben nach Angaben von Professor Böhmer ungefähr 2,5 Millionen Menschen über 55 Jahren aus Zuwandererfamilien, die eine Vorsorge-Koloskopie in Anspruch nehmen könnten. Das sind elf Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung.

Weitere Informationen erhalten Sie im Internet unter der Adresse: www.lebensblicke.de oder unter www.tdg-stiftung.de

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