Ärzte Zeitung, 07.04.2004

Wachstumsfaktor schützt Schleimhaut vor Chemotherapie-Folgen

Protein von Keratinozyten wird intravenös injiziert

BARCELONA (nsi). Eine Möglichkeit, die Schleimhautbarriere vor der Zerstörung durch Zytostatika zu schützen, ist, den rekombinant hergestellten humanen Keratinozyten-Wachstumsfaktor (rHuKGF) zu injizieren.

Schleimhautentzündungen als Chemotherapie-Folge - mit oder ohne Radiatio - sind mit erhöhter Sterblichkeit durch Infektionen assoziiert. Dies gilt vor allem bei neutropenischer Enterokolitis. Ohne ödematöse Darmwandverdickungen liegt die Mortalität der Patienten mit neutropenischer Enterokolitis bei etwa vier Prozent. Schwellen die Wände von Dünn- oder Dickdarm dagegen um mehr als einen Zentimeter an, vervielfacht sich das Sterberisiko um das 15- bis 20fache.

Auch die orale Mukositis sei mit erhöhter Morbidität und Mortalität verbunden, so Dr. Nicole Blijlevens bei einem Kongreß über Blut- und Knochenmark-Stammzelltransplantation in Barcelona. rHuKGF, den das Unternehmen Amgen unter dem Namen Palifermin® entwickelt, reduziere Inzidenz und Schwere von Schleimhautentzündungen bei Krebstherapie, faßte der Wissenschaftler der Medizinischen Klinik St. Radboud der Uni Nimwegen aktuelle Ergebnisse klinischer Studien mit rHuKGF zusammen.

Die verkürzte Version des humanen KGF wird intravenös injiziert. An einer Phase-III-Untersuchung haben 212 Blutkrebspatienten teilgenommen. Die Verumgruppe der Patienten hatte an den Tagen elf bis neun vor einer Ganzkörperbestrahlung und am Tag der Stammzelltransplantation sowie den beiden darauf folgenden Tagen den Wachstumsfaktor in einer Dosierung von 60 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht erhalten.

Die Stammzelltransplantation folgte auf die Radio-Chemotherapie. Eine Placebogruppe erhielt Injektionen mit einem Scheinpräparat, alle Studienteilnehmer bekamen aber den Granulozyten-koloniestimulierenden Faktor (G-CSF). 62 Prozent der Patienten in der Placebo-Gruppe entwickelten eine schwere Mukositis, die im Durchschnitt 10,4 Tage anhielt. In der Verum-Gruppe waren 20 Prozent von einer schweren Form der Mukositis betroffen, und zwar im Durchschnitt für 3,7 Tage.

Eine erfolgversprechende Perspektive für die Prophylaxe von Schleimhautschäden sei daher, den Faktor rHuKGF in definierten Zeitabschnitten vor und nach einer Chemotherapie im Zusammenhang mit Stammzelltransplantationen zu verabreichen, sagte die Forscherin.

Mit einer Zulassung in den USA und Europa werde Ende diesen, Anfang nächsten Jahres gerechnet, so das Unternehmen.

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