Ärzte Zeitung, 13.10.2004

Fulvestrant bereichert Therapie bei Brustkrebs

Mindestens so effektiv wie Anastrozol / Nutzen besonders bei positivem Östrogen-Progesteron-Rezeptorstatus

INNSBRUCK (sto). Das Spektrum der hormonellen Therapien für Frauen mit Mamma-Karzinom hat sich nach Ansicht von Professor Günther Steger aus Wien durch das Antiöstrogen Fulvestrant erweitert. Davon profitierten auch Frauen, bei denen die Krankheit unter einer Tamoxifen-Therapie weiter fortschreitet oder bei denen sich ein Rezidiv entwickelt.

Fulvestrant (Faslodex®) weise eine stärkere antitumorale Wirkung als Tamoxifen auf, hat Steger bei der Gemeinsamen Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Onkologie in Innsbruck berichtet. Selbst in der Dritt- und Viert-Linientherapie werde noch eine beachtliche Wirksamkeit erzielt.

In zwei großen Studien mit 851 Frauen mit fortgeschrittenem Mamma-Karzinom, bei denen unter Tamoxifen die Krankheit weiter fortgeschritten oder ein Rezidiv entstanden war, wurde Fulvestrant im Vergleich zu dem Aromatasehemmer Anastrozol geprüft. Dabei habe sich das neue Medikament als mindestens ebenso effektiv erwiesen wie Anastrozol, sagte Steger bei einem Symposium von AstraZeneca.

Die Überlebenszeit betrug bei beiden Substanzen im Mittel etwa 27 Monate. Nach weiteren 27 Monaten lebten in den Fulvestrant-Gruppen noch 25,5 Prozent der Patientinnen. In den Anastrozol-Gruppen waren es 24 Prozent. Die mediane Zeit bis zur Progression der Krankheit war unter Fulvestrant mit 5,5 Monaten etwas länger als mit Anastrozol (4,1 Monate).

In einer Studie mit etwa 100 Frauen, von denen viele schon palliativ behandelt worden waren, sei mit dem neuen Antiöstrogen bei acht Frauen sogar eine partielle Remission erzielt worden, sagte Steger. Und bei jeweils 32 Patientinnen habe sich die Krankheit über mehr als drei oder sechs Monate stabilisiert.

Von Fulvestrant profitierten vor allem Frauen mit einem positiven Östrogen-Progesteron-Rezeptorstatus. Das neue Antiöstrogen weist im Gegensatz zu Tamoxifen keine agonistische Aktivität, etwa am Endometrium, auf. Das sei auf den unterschiedlichen Wirkmechanismus zurückzuführen, erläuterte Steger.

Fulvestrant führe zu einem beschleunigten Abbau sowohl von Östrogen- als auch von Progesteron-Rezeptoren, so daß die Transkription östrogenabhängiger Gene im Zellkern komplett blockiert werde.

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