Ärzte Zeitung, 15.03.2005

Inzidenz von Brustkrebs bei Männern steigt

Mammakarzinome bei Männern werden oft erst spät erkannt / Das Problem: "Kaum jemand rechnet damit!"

KIEL/KÖLN (ddp). Brustkrebs ist bei Männern eine relativ seltene Diagnose. Die Folge: "Männer haben das Problem, daß ein Mammakarzinom eher spät entdeckt wird, denn es rechnet kaum jemand damit - obwohl die Brust des Mannes sehr gut abtastbar ist", sagt Professorin Rita Schmutzler aus Köln.

Die Leiterin des Zentrums für Familiären Brust- und Eierstockkrebs der dortigen Universitäts-Frauenklinik rät bei Symptomen wie Schwellungen, Verdichtungen, Rötungen oder Sekret aus der Brustwarze zur Vorsicht - besonders, wenn die Veränderungen nur einseitig auftreten. Gutartige Brustveränderungen, bedingt durch hormonelle Störungen oder Stoffwechsel-Störungen, träten meist gleichzeitig auf beiden Seiten auf.

Brustkrebs bei Männern ist immer noch eine Rarität. "Unter den letzten 3000 Brustkrebs-Patienten, die wir in unserer Klinik behandelt haben, waren zwölf Männer", sagt Professor Walter Jonat, der Direktor der Universitäts-Frauenklinik in Kiel.

Doch die Inzidenz des Mamma-Karzinoms bei Männern steigt: War ein Mamma-Karzinom 1991 in Deutschland laut Statistischem Bundesamt noch bei 120 Männern die Todesursache, stieg die Zahl innerhalb von zehn Jahren nahezu kontinuierlich auf 230 im Jahr 2002.

Ein ähnlicher Anstieg der Brustkrebs-Inzidenz bei Männern wird Experten zufolge in den meisten Industrie-Ländern registriert. "Zu den Ursachen gehört vermutlich der veränderte Lebensstil. Mehr Alkohol sowie Essen, das zunehmend Östrogen enthält, begünstigen den Krebs", sagt Jonat. Die Therapie bei Männern mit Mammakarzinom entspricht der bei Frauen mit Brustkrebs.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen zur Früherkennung halten Experten bei Männern nicht für sinnvoll, dafür sei die Inzidenz von Brustkrebs bei Männern zu selten. Es mache aber Sinn herauszufinden, ob es in der Familie Fälle von Brustkrebs gegeben hat, sagt Schmutzler. Eines der zwei bekannten Risikogene für Brustkrebs führt nämlich auch bei Männern in etwa fünf Prozent der Fälle zu Brustkrebs.

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