Ärzte Zeitung, 23.10.2006

Bauchschmerz und kein Befund? Typisch Mastzellenkrankheit!

Mutierte Mastzellen aktivieren Darmnerven / Checkliste führt zur Diagnose

BONN (gwa). Was tun bei Patienten, die gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder dünnen Stuhl haben, bei denen aber Laboruntersuchungen oder Endoskopien keine pathologischen Befunde ergeben? Bevor man Betroffene zum Psychiater schickt, lohnt es sich, eine systemische Mastzellenkrankheit auszuschließen.

Chronische Bauchschmerzen können Symptome einer systemischen Mastzellenkrankheit sein. Foto: imago

Bei der Krankheit sezernieren mutierte Mastzellen ständig Stoffe, die etwa Histamin-Rezeptoren auf enteritischen Nervenzellen oder dem Darmepithel aktivieren. Folgen sind eine veränderte gastrointestinale Sekretion, Absorption, Motilität und Schmerzwahrnehmung. Die Symptome erinnern an Nahrungsmittel-Unverträglichkeit, Reizdarm oder gastrointestinale Entzündungen.

Typisch: Untersuchungen ergeben keine oder nur gering auffällige Befunde. Darauf weisen Professor Gerhard J. Molderings von der Uni Bonn und seine Kollegen hin (Dtsch Med Wochenschr 131, 2006, 2095). "Bevor man die Patienten zum Psychiater schickt, sollte man eine Mastzellenkrankheit ausschließen", sagte Molderings zur "Ärzte Zeitung". Das geht mit einer von den Kollegen erstellten Checkliste mit 45 Fragen zu Symptomen und Befunden. Bei gesicherter Diagnose erhalten Patienten hochdosiert H1-und H2-Antihistaminika, Cromoglicinsäure und Ketotifen.

Zahlen zur Inzidenz gibt es bislang noch nicht. Die Krankheit sei offenbar aber viel häufiger als bislang vermutet, so Molderings. Betroffen sind alle Altersgruppen, geschlechtsspezifische Häufigen sind bislang nicht bekannt.

Infos zur Checkliste: Professor Gerhard Molderings, Uni Bonn, E-Mail: molderings@uni-bonn.de

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