Ärzte Zeitung, 23.01.2006

Panikattacken verursachen Brustschmerz wie bei Infarkt

Antidepressiva und Verhaltenstherapie als Mittel der Wahl

FRANKFURT AM MAIN (KHS). Charakteristisch für eine Panikattacke ist, daß Betroffene anschließend stark körperlich erschöpft sind. Zur Therapie eignen sich sowohl moderne Antidepressiva als auch eine kognitive Verhaltenstherapie.

Bei einer Panikattacke kommt es plötzlich aus völligem Wohlbefinden heraus zu starker Angst, Herzklopfen, Schwindel und einem Druckgefühl auf der Brust - vergleichbar mit dem Druckgefühl bei einem Herzinfarkt. Daran erinnerte Dr. Reinhard J. Boerner, Chefarzt der Psychiatrischen Klinik des Christlichen Krankenhauses in Quakenbrück.

Dieser Zustand dauere bis zu 30 Minuten, selten länger. Ein wichtiges differentialdiagnostisches Kriterium zu einem Herzinfarkt ist für Boerner, daß Betroffene nach einer Panikattacke wie nach einem 10 000-Meter-Lauf erschöpft seien. Gebe ein Patient an, er habe sich nach der Attacke wie immer gefühlt, spreche das eher gegen eine Panikstörung, sagte Boerner bei einer von Wyeth unterstützten Fortbildungsveranstaltung in Frankfurt am Main.

Bewährt hätten sich die Medikamente Buspiron, Paroxetin sowie der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Venlafaxin (Trevilor®), der im Bereich der Angsterkrankungen über eine große Indikationsbreite verfüge. Das Medikament ist vor kurzem auch zur Behandlung von Patienten mit Panikstörung zugelassen worden.

Boerner warnte bei der Therapie von Patienten mit Panikattacken vor einer raschen Verabreichung des Neuroleptikums Fluspirilen, das häufig bei Angstsymptomen verordnet werde. Das Medikament könne zu Spätdyskinesien führen.

Eine nur geringe Evidenz bei Angststörungen haben nach Boerner die psychodynamischen Ansätze. Geprüft und primär indiziert seien hingegen kognitive Verhaltenstherapien.

Er präferiere dabei die Verhaltenstherapie, bei der der Therapeut mit dem Patienten angstbesetzte Orte aufsuche, sagte Boerner. Zugleich lehne er es ab, unter dem Deckmantel der Verhaltenstherapie psychologische Gespräche zu führen. Denn damit erreiche man nichts.

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