Ärzte Zeitung, 06.12.2004

Ein kräftiger Schwung hilft gegen Lagerungsschwindel

Einfache Therapie beseitigt den benignen paroxysmalen Lagerungsschwindel / Verrutschte Otolithen werden aus dem Bogengang befördert

BADEN-BADEN (hbr). Patienten mit benignem paroxysmalem Lagerungsschwindel (BPLS) kann oft schon ein einfaches Sémont-Lagerungsmanöver helfen.

Bis zu 70 Prozent der BPLS-Patienten könnten mit nur einem solchen Manöver von ihrem Problem befreit werden, hat Professor Horst Wiethölter beim MED-Congress in Baden-Baden berichtet. BPLS-Patienten stellen sich dem Arzt mit Drehschwindelattacken vor, die bis zu einer halben Minute anhalten.

Die Attacken treten auf, wenn sich die Lage des Kopfes im Raum ändert - zum Beispiel im Liegen, wenn der Patient sich im Bett umdreht. Das kann schon die erste Bewegung am Morgen zum Problem machen. Der Schwindel entsteht mit einer Latenzzeit von höchstens drei Sekunden und wird von einem 15 bis 30 Sekunden dauernden Nystagmus begleitet, oft auch von Übelkeit bis hin zum Erbrechen.

Grund dieses Schwindels ist eine Canalolithiasis. Otholithen lösen sich von ihrem angestammten Platz, sammeln sich in einem Bogengang und bewegen sich bei Kopfbewegungen mit der Endolymphe. Folge ist eine Irritation im entsprechenden Bogengang bei Lageänderungen.

Betroffen sind oft Menschen im sechsten und siebten Lebensjahrzehnt. Aber auch Schädel-Hirn-Traumata sind häufige Auslöser.

      Bei bis zu 70 Prozent der Patienten wirkt das Sémont-Manöver sofort.
   

Hilfreich ist das Sémont'sche Befreiungsmanöver: Der Patient sitzt seitlich auf der Untersuchungsliege und dreht den Kopf zum gesunden Ohr. Diese Kopfposition behält er bei, während sein Oberkörper - Nase nach oben - auf die kranke Seite gelegt wird. Dem Patienten wird übel. Dann, sagt Wiethölter, "nehmen Sie ihn beim Kopf und schwingen ihn auf die andere Seite. Sie halten den Kopf aber in dieser Stellung fest: Die Nase zeigt also auf der anderen Seite nach unten." Der Patient sollte jedoch vorgewarnt werden, betont der Neurologe vom Klinikum Stuttgart - das Herumschwingen ist unangenehm.

Für zwei von drei Patienten aber bedeutet das Sémont-Manöver trotzdem "den großen Wurf", bei dem die verrutschten Otolithen aus ihrer falschen Position herausbefördert werden.

Genügt dies nicht, erfolgt ein Lagerungstraining: Aus der aufrechten Sitzposition legt der Patient den Oberkörper zunächst mit rechtsgewendetem Kopf auf die linke Seite. Sobald der Schwindel vorbei ist, richtet er sich wieder auf und legt sich mit linksgewendetem Kopf auf die rechte Seite. Das führt er mehrmals hintereinander und mehrfach täglich durch. In der Regel, so Wiethölter, führt dieses Training innerhalb mehrerer Tage zum Erfolg.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »