Ärzte Zeitung, 15.09.2006

Nehmen Wachkoma-Kranke Dinge bewußt wahr?

Hinweis aus MRT-Untersuchungen bei einer 23jährigen Britin / Aktivitätsmuster im Gehirn ähnlich wie bei Gesunden

CAMBRIDGE (ple). Britische Forscher haben Belege dafür, daß manche Wachkoma-Patienten ihre Umgebung bewußt wahrnehmen. Die Forscher schließen dies aus den Ergebnissen von Untersuchungen mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT).

Hirnaktivität in der rechten (oben) und linken Hemisphäre, gemessen mit der funktionellen MRT, als Reaktion auf gesprochene Sätze bei einem Gesunden (linke Spalte) und bei zwei Wachkoma-Patienten. Foto: Adrian M. Owen, MRC

Untersucht hatten die Forscher eine 23jährige Frau, die zum Zeitpunkt der fMRT-Diagnostik seit etwa einem halben Jahr im Wachkoma lag. Mit dem bildgebenden Verfahren testeten Dr. Adrian Owen und seine Kollegen vom Medical Research Council (MRC) in Cambridge die Hirnaktivitäten als Reaktion auf gesprochene Sätze.

Auch die Reaktion auf die Aufforderung an die Patientin, sich zum Beispiel vorzustellen, Tennis zu spielen oder durch ihre Wohnung zu gehen, haben die Wissenschaftler geprüft (Science 313, 2006, 1402).

Wie die Hirnforscher berichten, wurden bei der Patientin sowohl durch die gehörten Sätze als auch speziell bei den Aufforderungen jeweils die gleichen Kortexregionen aktiviert wie dies bei Gesunden der Fall ist.

Das ist zum einen die sprachverarbeitende Region im Temporallappen beim Anhören der Sätze und zum anderen die als SMA (supplementary motor area) im Kortex bezeichnete Region, wenn man sich etwas vorstellte. Der Kortexregion SMA schreiben Neurologen eine Funktion bei der Planung und der Initiierung einer Bewegung zu.

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