Ärzte Zeitung, 17.07.2009

Gehirnuntersuchungen schon bei Ungeborenen

TÜBINGEN (dpa). Die Universitätsklinik Tübingen kann nach eigenen Angaben als erste in Europa schon bei ungeborenen Kindern die Entwicklung des Gehirns untersuchen. Ab der 20. Schwangerschaftswoche können Ärzte per fetaler Magnet-Enzephalografie (fMEG) feststellen, wie gut ein Fötus optische und akustische Reize im Gehirn verarbeite. Das Gerät zur fMEG wurde am Freitag in Betrieb genommen, wie die Klinik mitteilte.

Über die Bauchwand der Mutter wird das Kind mit Ton- und Lichtsignalen stimuliert. Die fMEG registriert, ob und wie schnell das Kind diese Reize erfasst. Dazu wertet das Gerät magnetische Feldänderungen in der Hirnrinde des Ungeborenen aus. Bei Risikoschwangerschaften könne so zum Beispiel der ideale Zeitpunkt für einen Kaiserschnitt bestimmt werden, teilte die Klinik mit. Bislang liefen die Ärzte oft Gefahr, das Kind entweder zu früh auf die Welt zu holen oder aber eine Unterversorgung im Mutterleib zu riskieren.

Das weltweit erste fMEG-Gerät entwickelten Tübinger Mediziner gemeinsam mit der amerikanischen University for Medical Sciences of Arkansas. Dort ist das Gerät seit neun Jahren in Betrieb. Das zweite, bereits weiterentwickelte Modell steht nun in der Tübinger Universitäts-Frauenklinik.

[07.08.2009, 15:12:40]
Annette Mende 
Gratulation aus Jena
Per Mail erreichte uns folgender Leserkommentar von Professor E. Schleußner, geschäftsführender Direktor der Universitätsfrauenklinik Jena:

"Ich gratuliere den Tübinger Kollegen, dass nun auch in ihrer Klinik die Möglichkeit einer fetalen Magnetoencephalographie besteht. Damit wird die deutsche Forschung auf diesem Feld gestärkt, die bislang auf das Biomagnetische Zentrum am Universitätsklinikum Jena und der Kooperation mit dem US-amerikanischen Zentrum begrenzt war. Die Jenaer Arbeitsgruppe unter meiner Leitung freut sich die Erfahrungen aus 10 Jahren fetaler Hirnaktivitätsmessung mit einem anderen Messsystem nun mit den Tübinger Frauenärzten austauschen zu können."
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