Ärzte Zeitung, 09.08.2011

Keine Sorge, wenn das Kind spät zu sprechen beginnt

PERTH (hub). Auch wenn es viele Entwicklungskalender suggerieren: Die kindliche Entwicklung läuft nicht nach einem Schema ab. Manche Kinder laufen früher, manche später, andere wiederum beginnen später zu sprechen. Eltern muss das nicht beunruhigen.

Keine Sorge, wenn das Kind spät zu sprechen beginnt

Lernt ein Kind erst verzögert sprechen, ist dies noch kein Indiz für Verhaltens- oder emotionale Probleme, so die australische Studie.

© elisabetta figus/Fotolia

Denn auch Kinder, die verzögert zu sprechen beginnen, haben später daraus keine Nachteile zu erwarten. Das hat eine Studie aus Australien ergeben (Pediatrics 2011; 126: e324).

Mit Hilfe einer Checkliste zum kindlichen Verhalten wurden 142 Spätsprecher mit 1245 Kontrollkindern verglichen - bis zum Alter von 17 Jahren.

Sprachverzögerung allein ist kein Risikofaktor für spätere Störungen

Zwar hatten die Spätsprecher mit zwei Jahren Probleme, Worte zu verstehen oder zu sagen, eben das steht für den Begriff Spätsprecher.

In späteren Jahren hatten diese Kinder aber weder Verhaltens- noch emotionale Probleme, wie andere Studien nahegelegt hatten. Auch die Auffassungs- und Ausdrucksgabe war ähnlich jener der Kontrollkinder.

Die Autoren folgern, dass eine Sprachverzögerung allein kein Risikofaktor für spätere Störungen sei.

[09.08.2011, 19:24:46]
Dr. Cornelia Tigges-Zuzok 
Andere Spielregeln in Deutschland
Die Kinder- und Jugendärzte in Deutschland sollten sich aufgrund dieser Ergebnisse keine Hoffnung machen, dass sie künftig auch nur eine einzige Therapiesitzung weniger verordnen müssen. In Deutschland gelten halt andere (selbst gemachte) Spielregeln. Zum Beispiel künftig die neue "Interdisziplinäre Leitlinie zur Diagnostik von Sprachentwicklungsstörungen" - die interessanterweise ohne Beteiligung der niedergelassenen Pädiater entsteht (http://www.awmf.org/leitlinien/detail/anmeldung/1/ll/049-006.html). Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Dr. Cornelia Tigges-Zuzok, Essen
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »