Ärzte Zeitung, 13.06.2012

Bewusstseins-Test bei Koma-Patienten: Mit Namen ansprechen

PRAG (eb). Koma-Patienten mit ihrem Namen anzusprechen ist eine effektive Methode zur Beurteilung ihrer Bewusstseinsfunktionen.

 Es ruft im sichtbaren Verhalten und in den messbaren Gehirnaktivitäten Reaktionen hervor, die bei weniger persönlichen Reizen ausbleiben. So könnten sich Hinweise für Rehabilitation, Prognose und Behandlung ergeben, berichten Forscher auf dem Europäischen Neurologenkongress (ENS) in Prag.

Schätzungen zufolge gibt es in der EU 33.000 bis 72.000 Patienten im Zustand der Wachheit ohne Kontaktaufnahme.

Die Reaktion auf den eigenen Namen scheine dem ‚Cocktail-Party-Effekt‘ zu entsprechen: Fällt er in einem Wirrwarr von Stimmen, wird man sofort aufmerksam, wird Professor Gustave Moonen aus Lüttich in einer ENS-Mitteilung zitiert.

Hörende Bewusstsein kann offenbar ab- und auftauchen

Tests zufolge wird durch den eigenen Namen ein mediales präfrontales Gehirnareal aktiviert, und zwar mit schwindendem Bewusstsein immer weniger.

In einer Studie zeigte sich: Wie stark der eigene Name bei Koma-Patienten das Hörzentrum des Gehirns aktiviert, stellt einen Indikator für die Rehabilitationschancen dar.

Jedoch bestehen enorme Abweichungen der erregten Gehirnregionen zwischen den Scan-Zeitpunkten: Das hörende Bewusstsein kann offensichtlich abdriften und wieder auftauchen, muss folglich öfter untersucht werden.

In einer Studie reagierten 34 von 86 Koma-Patienten mit Augen- oder Kopfbewegungen auf ihren Namen, nur 20 auf einen Glockenklang.

Von 30 Patienten, die mit ihrem Namen angesprochen und aufgefordert wurden, die Hand zu heben, zeigte sich in einem weiteren Test bei immerhin fünf, davon zwei im vegetativen Zustand Geglaubten, im fMRI-Scan eine Aktivierung im motorischen Kortex.

Auch über die spontanen Fluktuationen der Aktivität in der Hörrinde lassen sich Bewusstseinspotenziale messen: Etwa alle 20 Sekunden schaltet sie von Außen- auf Innenreize um.

Bei Gesunden fällt der Unterschied stark aus, nimmt aber mit steigender Sedierung oder schwindendem Bewusstsein ab (ENS Abstracts O 236; O 239, O 253, P 397).

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