Leitartikel zum Unterbringungsgesetz

Aufgaben der Psychiatrie am Rande des ärztlichen Eides

Der Bundesgerichtshof hat das Therapieunterbringungsgesetz gebilligt. Die danach mögliche Unterbringung psychisch kranker ehemaliger Gewaltverbrecher ist verfassungsgemäß. Die Rolle der Psychiatrie blieb rechtlich allerdings außen vor.

Martin WortmannVon Martin Wortmann Veröffentlicht:
Für die Sicherungsverwahrung braucht es Neubauten: Hier präsentiert Staatsanwältin Kerstin Becker den Bauplan für die JVA-Tegel.

Für die Sicherungsverwahrung braucht es Neubauten: Hier präsentiert Staatsanwältin Kerstin Becker den Bauplan für die JVA-Tegel.

© Maurizio Gambarini/dpa

Was tun mit psychisch gestörten ehemaligen Gewalt- und Sexualstraftätern, die ihre eigentliche Strafe verbüßt haben? Wegsperren oder freilassen?

Stammtisch und individuelle Grundrechte prallen hier hart aufeinander. Dabei formulieren die Stammtische keine tumben Bierlaunen, sondern reale, durch Rückfallstäter auch regelmäßig unterfütterte Ängste.

Auf der anderen Seite das Grundrecht: "Keine Strafe ohne Gesetz." Auch wenn die bei der kommenden Bundestagswahl siegreiche Vegetarierpartei das Schnitzelessen unter Strafe stellt, muss niemand, der heute ein Schnitzel isst, das Gefängnis fürchten.

Oder, so Paragraph 1 des Strafgesetzbuchs: "Eine Tat kann nur bestraft werden, wenn die Strafbarkeit gesetzlich bestimmt war, bevor die Tat begangen wurde."

So eingängig und selbstverständlich dieser Grundsatz unserer Demokratie ist - im Umgang mit Gewaltstraftätern wurde er über Jahre nicht beachtet. Auch nach ihrer ausgeurteilten Haft mussten sie weiter im Gefängnis bleiben, wenn sie als gefährlich galten.

Diese Sicherungsverwahrung konnte auch nachträglich, erst zum Ende der regulären Strafhaft verhängt werden, ganz unabhängig vom Urteilsspruch und in der Praxis auch über den gesetzlichen Rahmen hinaus.

Verfassungsrichter zögerten lange

"Keine Strafe ohne Gesetz!" rief 2009 der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Die geschockte Gesellschaft musste zusehen, wie einzelne Schwerstverbrecher plötzlich auf freien Fuß kamen.

Selbst das Bundesverfassungsgericht sperrte sich lange und folgte dem EGMR erst 2011. Für die Sicherungsverwahrten forderten die Karlsruher Richter einen "therapiegerichteten Vollzug". In dieselbe Richtung bewegte sich der Gesetzgeber und verabschiedete am 22. Dezember 2010 das "Gesetz zur Therapierung und Unterbringung psychisch gestörter Gewalttäter". Danach können psychisch kranke Häftlinge ...

Jetzt gleich lesen ... Jetzt gleich lesen ...

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
* Hinweis zu unseren Content-Partnern
Dieser Content Hub enthält Informationen des Unternehmens über eigene Produkte und Leistungen. Die Inhalte werden verantwortlich von den Unternehmen eingestellt und geben deren Meinung über die Eigenschaften der erläuterten Produkte und Services wieder. Für den Inhalt übernehmen die jeweiligen Unternehmen die vollständige Verantwortung.
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Wirksamkeit in der klinischen Praxis von Brivaracetam über 12 Monate (alle Formen fokaler Anfälle)d

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [3]

Zusatzbehandlung fokaler Epilepsien

Effektivere Anfallskontrolle in der Kombinationstherapie

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: UCB Pharma GmbH, Monheim
Abb. 1: Rückgang der generalisierten tonisch-klonischen Anfälle unter Cannabidiol + Clobazam

© Springer Medizin Verlag , modifiziert nach [1]

Real-World-Daten aus Deutschland zum Lennox-Gastaut- und Dravet-Syndrom

Cannabidiol in der klinischen Praxis: vergleichbare Wirksamkeit bei Kindern und Erwachsenen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Jazz Pharmaceuticals Germany GmbH, München
7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

© Vink Fan / stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

7-Jahres-Daten belegen günstiges Nutzen-Risiko-Profil von Ofatumumab

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Vergleich der Kreise

Wo sich besonders wenige Senioren gegen Pneumokokken impfen lassen

„Sprechende Medizin“ beim Bayerischen Rundfunk

Hausarzt Schelling klärt im Radio über wichtige Gesundheitsthemen auf

Cochrane Review zu Ginkgo biloba

Ginkgo biloba: Kein Nutzen bei MCI, geringe Effekte auf Demenz

Lesetipps
Menschen im Park machen Qigong-Übungen

© zinkevych / Stock.adobe.com

Nutzen durch randomisierte Studie belegt

Qigong-Übungen senken erhöhten Blutdruck

Tablette, auf der GLP-1 steht

© THIBNH / Generated with AI / Stock.adobe.com

Neuer GLP-1-Rezeptoragonist

Orforglipron: Bekommt Semaglutid jetzt Konkurrenz?