Ärzte Zeitung, 06.09.2006

Depressionen durch Hormonschwankungen?

Ungleichmäßige Hormonspiegel könnten Ursache für erhöhte Depressionsrate bei Frauen sein

GRÜNWALD (sto). Frauen erkranken doppelt so häufig an Depressionen wie Männer. Ein möglicher Grund: Frauen sind durch Geburt, Schwangerschaft und Menopause hormonellen Veränderungen ausgesetzt, die sich auch psychisch auswirken können.

Die möglichen Ursachen für geschlechtsspezifische Unterschiede bei vielen psychischen Störungen reichen von biologischen Unterschieden im ZNS über hormonelle Einflüsse und soziobiographische Faktoren bis hin zur unterschiedlichen Wahrnehmung von Symptomen. Darauf hat Professor Anke Rohde von der Universitätsfrauenklinik in Bonn bei den Grünwalder Gesprächen hingewiesen. Frauen könne es zudem leichter fallen, wegen einer Depression einen Arzt aufzusuchen als Männern.

Auch seien der Menstruationszyklus, eine Schwangerschaft, die Zeit nach der Entbindung, der Eintritt in die Wechseljahre sowie eine eventuell erforderliche Hormonersatztherapie Situationen, in denen manche Frauen ausgeprägte psychische Veränderungen haben, sagte Rohde bei der von Wyeth Pharma unterstützten Veranstaltung.

    Dual wirksame Antidepressiva haben Vorteile.
   

So werden postpartale depressive Symptome nach 10 bis 15 Prozent aller Entbindungen beobachtet. Schwere prämenstruelle Syndrome mit Reizbarkeit und Wut, Affektlabilität und depressiver Stimmung kommen bei drei bis fünf Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter vor, berichtete Rohde. Etwa ein Drittel aller Frauen erlebe im Klimakterium ausgeprägte Beschwerden, wozu außer körperlichen und vegetativen Symptomen oftmals auch depressive Verstimmungen gehören.

Bewährt zur medikamentösen Therapie haben sich dual wirksame Antidepressiva, die auf das Serotonin- und das Noradrenalinsystem wirken, wie Venlafaxin (Trevilor® retard). Venlafaxin sei zudem nicht nur bei akuter Depression, sondern auch für die Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe zugelassen. Eine Psychotherapie sei ebenfalls oft hilfreich, sagte Rohde. Sie werde durch eine wirksame Behandlung mit Antidepressiva oft erst ermöglicht.

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