Ärzte Zeitung, 17.02.2015

Epilepsie

Plötzlicher Tod durch falsche Schlafposition?

Vielleicht sollten Epilepsiekranke mit hohem Risiko für einen plötzlichen Tod auf dem Rücken schlafen: Fast drei Viertel der Todesfälle werden in Bauchlage beobachtet, bei jüngeren Patienten sind es sogar fast sechs von sieben.

Von Thomas Müller

Plötzlicher Tod durch falsche Schlafposition?

Plötzlicher und unerwarteter Tod bei Epilepsie: Jährlich gibt es in Deutschland etwa 800 Fälle.

© adimas / fotolia.com

CHICAGO. Ein plötzlicher und unerwarteter Tod (sudden unexpected death in epilepsy, SUDEP) ist bei Epilepsiekranken gar nicht so selten: Von 2000 Patienten sterben jährlich etwa drei daran, in Deutschland summiert sich das auf rund 800 Todesfälle im Jahr.

 Bekannte Risikofaktoren sind ein früher Beginn der Erkrankung, eine schlechte Anfallskontrolle, ein Alter unter 40 Jahren und nächtliche generalisierte tonisch-klonische Anfälle.

Unter diesen Bedingungen liegt die Sterberate bei etwa einem Prozent im Jahr. Diese Risikofaktoren lassen sich jedoch nur geringfügig oder gar nicht beeinflussen, von daher ist die Beobachtung interessant, dass bei vielen Patienten die tödlichen Anfälle auftreten, wenn sie in Bauchlage schlafen.

Die Schlafposition lässt sich immerhin leicht ändern.

Zwar gibt es bislang keine großen Untersuchungen, in denen der Zusammenhang zwischen SUDEP und Schlafposition überprüft worden ist, dafür aber eine Reihe von kleineren Studien, Kasuistiken und sogar Video-Aufzeichnungen.

73 Prozent sterben in Bauchlage

Ein Team um Dr. Jennifer Liebenthal von der Universität in Chicago hat sich die Mühe gemacht, solche Hinweise aus der Literatur zur Schlafposition von SUDEP-Opfern auszuwerten (Neurology 2015; online 21. Januar).

Insgesamt fanden sie 25 Untersuchungen mit 413 Patienten, bei denen ein SUDEP festgestellt oder mangels anderer Erklärungen vermutet worden war.

Bei 253 der Patienten wurde auch die Position erfasst, in der sie vorgefunden wurden. Das war bei 73 Prozent der Verstorbenen die Bauchlage, nur 27 Prozent lagen auf dem Rücken oder seitlich.

Zu elf der Patienten gab es Video-EEG-Aufzeichnungen, bei allen trat hier der Tod in der Bauchlage ein.

Bei sieben konnte auch die Schlafposition vor dem terminalen Anfall ermittelt werden: Vier davon befanden sich bereits in der Bauchlage, drei drehten sich während des Anfalls auf den Bauch.

Bei 88 Patienten waren Alter und die genauen Todesumstände bekannt. Davon waren 25 Patienten über 40 Jahre alt, sie fand man zu 60 Prozent in Bauchlage, bei den jüngeren war dies dagegen signifikant häufiger der Fall, nämlich bei 86 Prozent.

Weshalb, ist ebenso unklar wie die Tatsache, dass jüngere Patienten ein höheres SUDEP-Risiko haben. Möglicherweise wird ein nächtlicher Anfall bei ihnen seltener bemerkt, da sie häufiger ohne Partner leben, vermuten die Studienautoren.

Bei Anfall auf den Rücken drehen

Auch wenn die Bauchlage bei SUDEP auffällt - in den Studien gab es keine vergleichende Beobachtungen. So ist wenig darüber bekannt, wie häufig Epilepsiekranke mit hohem SUDEP-Risiko allgemein in Bauchlage verbringen.

Daher lässt sich die Bedeutung der Bauchlage für das SUDEP-Risiko nur schwer abschätzen.

Die Autoren der Analyse gehen jedoch nicht von einem Zufallsbefund aus: Bei den elf Video-dokumentierten SUDEP-Fällen gab es letztlich drei Gemeinsamkeiten, die bei allen zu finden waren: generalisierte tonisch-klonische Anfälle, eine postiktale generalisierte EEG-Suppression (PGES) und eben die Bauchlage.

"Da diese SUDEP-Patienten zufällig über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg beobachtet worden waren, ist es unwahrscheinlich, dass die Gemeinsamkeiten auf reinem Zufall beruhen. Sie deuten eher auf einen gemeinsamen Mechanismus", schreiben die Autoren.

Wie dieser aussehen könnte, ist aber noch ein Rätsel. Letztlich führe dieser Mechanismus wohl aber zu einem postiktalen neurovegetativen Zusammenbruch mit Atem- und Herzstillstand.

Auch wenn der definitive Beweis noch aussteht, dass die Bauchlage ein ursächlicher Faktor für den plötzlichen Epilepsietod ist - falls der Lebenspartner einen nächtlichen Anfall in Bauchlage bemerkt, sollte er den Epilepsiepatienten möglichst auf den Rücken drehen, schlagen die US-Neurologen vor.

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