Ärzte Zeitung, 28.06.2005

Ermutigende Studie mit oralem MS-Medikament

Neuer Immunmodulator verringert die Krankheitsaktivität bei Multipler Sklerose / Untersuchung mit Kernspin

WIEN (grue). Der oral verabreichte Immunmodulator FTY720 verringert die entzündliche Krankheitsaktivität bei Multipler Sklerose (MS) und reduziert die Schubrate. Eine klinische Studie mit fast 300 Patienten wurde jetzt erfolgreich abgeschlossen.

Wegen der ermutigenden Ergebnisse soll schon im Herbst dieses Jahres eine Phase-III-Studie beginnen. FTY720 drängt zirkulierende Lymphozyten aus dem Blut in die peripheren Lymphknoten zurück. Das Medikament für die einmal tägliche Einnahme könnte eine wirksame, verträgliche und einfach anzuwendende Therapieoption für Patienten mit schubförmig-remittierender MS werden, sagte Professor Ludwig Kappos aus Basel beim Europäischen Neurologenkongreß in Wien.

      FTY720 scheint Immunabwehr kaum zu beeinflussen.
   

Bei einem Symposium und einem von Novartis unterstützten Pressegespräch stellte Kappos aktuelle Daten zur Therapie mit FTY720 vor: Die Substanz wurde bei 281 Patienten mit schubförmig verlaufender MS doppelblind in zwei Dosierungen im Vergleich zu Placebo geprüft.

Die Studie dauerte sechs Monate. Die Wirksamkeit der Behandlung wurde primär anhand der mit der Kernspintomographie gemessenen entzündlichen Krankheitsaktivität beurteilt. Es wurde die Gesamtzahl der mit dem Kontrastmittel Gadolinium angereicherten Läsionen bestimmt.

Wie Kappos berichtete, verringerte sich in der Verumgruppe die Zahl der dokumentierten Läsionen um bis zu 80 Prozent. Außerdem wurde die Rate an klinisch bestätigten Schüben um mehr als die Hälfte von 30 auf 14 Prozent verringert. Die Zeit bis zum ersten neuen Schub verlängerte sich signifikant.

"Der Behandlungserfolg setzte schon nach zwei Monaten ein und nahm im weiteren Studienverlauf noch zu", so Kappos. In beiden FTY720-Gruppen gab es vergleichsweise wenig neue Läsionen. Jeweils 86 Prozent der Behandelten blieben über mindestens sechs Monate schubfrei, das waren 16 Prozent mehr als unter Placebo.

Als unerwünschte Wirkungen der Therapie kam es vermehrt zu Kopfschmerzen und zu einer erhöhten Rate an leichten Infektionen, vor allem unter der höheren Dosierung von fünf Milligramm. Insgesamt sei die Therapie aber gut verträglich, so Kappos, und es habe keine schweren kardialen oder pulmonalen Komplikationen gegeben. "Die Substanz wirkt zwar auf die Lymphozyten, scheint aber die Immunabwehr nicht wesentlich zu beeinträchtigen", so Kappos.

Nur acht Prozent der Patienten brachen die Behandlung vorzeitig ab, fast alle anderen wollten das Medikament auch weiterhin einnehmen. Valide Langzeitergebnisse wird aber erst die neue Studie bringen, die auf zwei Jahre angelegt ist.

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