Ärzte Zeitung, 11.10.2004

Cannabinoide werden jetzt bei Schmerzen geprüft

Erste Hinweise auf analgetische Wirkung von THC bei neuropathischen Schmerzen / Guter antiemetischer Effekt

LEIPZIG (mar). Bei starken Schmerzen wird auch über die analgetische Wirkung von Cannabinoiden diskutiert. Welchen Stellenwert diese Substanzen, etwa das Delta-9-Tetrahydrocannabinol (THC, Dronabinol), in der Schmerztherapie haben könnten, ist zur Zeit aber noch unklar.

Im Tiermodell seien zwar analgetische und entzündungshemmende Effekte von Cannabinoiden nachgewiesen worden, so Professor Hans G. Kress von der Medizinischen Universität Wien beim Deutschen Schmerzkongreß in Leipzig. Ergebnisse klinischer Studien nach modernem Studiendesign gebe es jedoch bislang nicht.

Eine Metaanalyse von fünf klinischen Studien aus den 70er Jahren zur schmerzlindernden Wirkung von Cannabinoiden bei insgesamt 128 Tumorpatienten lasse keine Rückschlüsse auf die Effizienz der Therapie zu, da die Studien aus heutiger Sicht methodische Mängel aufweisen, so Kress.

Aus neuen klinischen Studien ergeben sich Hinweise auf die schmerzlindernde Wirkung von Cannabinoiden bei neuropathischen Schmerzen. So sollen demnächst die Ergebnisse einer kleinen kontrollierten Studie mit Cross-over-Design, in der Dronabinol bei Patienten mit Armplexus-Wurzelausriß verwendet wurde, veröffentlicht werden. Die neuropathischen Schmerzen seien durch die Therapie mit Dronabinol in dieser Studie signifikant reduziert und der Nachtschlaf sei signifikant gebessert worden.

Da Tumorschmerzen häufig auch neuropathische Komponenten haben, könnte die Substanz auch bei solchen Schmerzen wirksam sein und als Ko-Analgetikum zu einer Opioidtherapie angewandt werden, sagte Kress. Entsprechende Studien stünden allerdings noch aus.

Durch klinische Studien gesichert sei dagegen ein antiemetischer Effekt von THC, das in den USA zur Therapie bei Übelkeit und Erbrechen bei Tumorpatienten mit Chemotherapie und auch zur Kachexiebehandlung von HIV-Infizierten zugelassen ist. Eine Metaanalyse von 30 Studien habe ergeben, daß Cannabinoide besser antiemetisch wirkten als Metoclopramid.

Allerdings lägen noch keine Vergleichsdaten zu den in der Onkologie angewandten modernen Antiemetika, den 5-HT3-Antagonisten, vor, sagte Kress. Auch fehlten Vergleichsdaten zur Wirksamkeit von Cannabinoiden bei Patienten mit hochemetogenen Chemotherapie-Regimen.

Dronabinol ist in Deutschland als Rezepturarzneimittel aus der Apotheke erhältlich.

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