Ärzte Zeitung, 12.11.2007

Heroinabgabe auf Rezept ist weiter strittig

Union fordert Überprüfung der Modellprojekte

FRANKFURT/MAIN (ddp). Der Streit über den Umgang mit Schwerstdrogenabhängigen in Deutschland geht nach Medienberichten in der großen Koalition weiter.

 Heroinabgabe auf Rezept ist weiter strittig

Kontrollierte Heroinabgabe in einer Ambulanz: Die Substitution soll Abhängigen den Ausstieg aus der Sucht erleichtern.

Foto: dpa

Danach haben Unions-Minister bei der Kabinettssitzung im Bundeskanzleramt überraschend eine Stellungnahme der Bundesregierung zur Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige blockiert.

Zur Erinnerung: Derzeit läuft noch in mehreren Großstädten ein Modellprojekt, bei dem Abhängige bis zu drei Mal täglich unter Aufsicht den Heroinersatz Diamorphin bekommen. Im September hatte der Bundesrat dem Vorschlag der Unions-Länder Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen zugestimmt, wonach Schwerstabhängige auch außerhalb der Projekte unter Auflagen und ärztlicher Kontrolle das synthetische Heroin Diamorphin erhalten sollen.

Werden die Modellprojekte ausgeweitet, rechnet die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), mit etwa 3500 Abhängige, die mit Diamorphin behandelt werden müssen. Die Unionsexperten Annette Widmann-Mauz und Jens Spahn gehen von bis zu 80 000 Abhängigen aus.

Die Unions-Kabinettsmitglieder haben nun nach Berichten in der "Frankfurter Rundschau" eine erneute Prüfung der Modellprojekte angeregt. Das wiederum habe die Gesundheitsministerin aufgebracht, weil die Projekte seit Jahren nicht nur wissenschaftlich eng begleitet würden, sondern längst ausgiebig geprüft und für wirksam befunden seien. Dem Bericht zufolge einigte sich das Kabinett zunächst darauf, beim Bundesrat drei Wochen mehr Bedenkzeit für die Stellungnahme zu beantragen.

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