Ärzte Zeitung online, 10.02.2012

Kippen bis zum Umkippen bleibt im Trend

Zwei von fünf jungen Erwachsenen lassen es mindestens einmal im Monat krachen und trinken Alkohol bis zum Umfallen. Eine aktuelle Studie der Regierung zeigt aber auch auf: Zigaretten und Joints zu rauchen gerät bei den Jüngeren aus der Mode.

Von Anno Fricke

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BERLIN. "Alkohol? Kenn Dein Limit." lautet eine 2009 aufgelegte Aufklärungskampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Noch scheinen die Plakate und Medienspots ihre jungen Adressaten nicht gleichermaßen erreicht zu haben.

Zahlen aus dem vergangenen Jahr belegen: Rund 13 Prozent der zwischen 18- und 25-Jährigen trinken hoch riskant. Viermal und öfter im Monat kippen sie sich fünf und mehr Biere, Weine oder Schnäpse hinter die Binde.

Mindestens einmal im Monat lassen es rund 42 Prozent dieser Altersgruppe krachen, bis sie nicht mehr stehen können. Junge Männer sind dabei deutlich in der Mehrheit.

Bei jungen Erwachsenen sei seit 2004 keine Trendwende zu beobachten, musste Professor Elisabeth Pott, die Direktorin der BZgA bei der Vorstellung der Studie "Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2011" eingestehen.

Deutlich abwärts zeigt der Trend bei den Minderjährigen. Die Quote der regelmäßig betrunkenen Jugendlichen ist von 6,6 Prozent im Jahr 2004 auf 3,7 Prozent zurückgegangen. Auf lange Sicht hat sich das Trinkverhalten verändert.

Bei der ersten Befragung im Jahr 1973 gaben noch 67 Prozent der jungen Erwachsenen an, mindestens einmal in der Woche Alkohol zu trinken. Heute sind es nurmehr rund 40 Prozent.

5000 Jugendliche befragt

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5001 Jugendliche zwischen zwölf und 25 Jahren gaben für die Studie Auskunft, wie oft und wieviel Alkohol sie trinken, wie viele Zigaretten und Joints sie rauchen.

Die Ergebnisse sind nicht schlecht für die Chefbeauftragte der Bundesregierung für bundesweite Präventionskampagnen. Rauchen gerät aus der Mode, der Cannabiskonsum geht zurück, wenn auch nur leicht.

Nur noch rund zwölf Prozent der Minderjährigen gaben an, zur Zigarette zu greifen. 2001 hatten noch 27,5 Prozent geraucht. Auch bei den jungen Erwachsenen ging der Nikotinkonsum in diesem Zeitraum deutlich von 44,5 Prozent auf rund 37 Prozent zurück. Gleichzeitig gaben mehr als 70 Prozent der Minderjährigen an, noch nie geraucht zu haben. Das sind 30 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor.

Für die Drogenbeauftragte des Bundes, Mechthild Dyckmans (FDP) ist dies ein Beleg für den Erfolg der "Rauchfrei"-Kampagnen des Bundes und der Rauchverbote der Länder.

Cannabis-Verbot wirkungslos

Nur beim Rauchverhalten lassen sich soziologisch Unterschiede ausmachen. Azubis, Erwerbstätige, Arbeitslose, Haupt- und Realschüler rauchen deutlich mehr als Gymnasiasten und Studierende. Beim Alkohol- und Cannabiskonsum gibt es diese Unterschiede nicht.

Dennoch: Mit dem Zigarettenrauchen gerät auch das Kiffen aus dem Blick von Jugendlichen. Seit 2004 hat sich die Quote derjenigen, die wenigstens einmal am Joint gezogen haben von 15 Prozent auf rund sieben Prozent mehr als halbiert. Bei den jungen Erwachsenen bleibt die Quote nahezu unverändert bei rund 40 Prozent.

Das Cannabis-Verbot zeige keine Wirkung. Es erschwere die Prävention und gefährde die Gesundheit der Konsumenten, reagierte Grünen-Politiker Harald Terpe auf dieses Ergebnis der Studie.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Kommentar: Komasaufen - die Erklärung fehlt

[12.02.2012, 20:51:11]
Dipl.-Psych. Wilfried Vogelbusch 
Politikersatz und Populismus und keine Lösungen
Zitat: "An der Zigarettenpolitik der vergangenen Jahre sehen wir, wie man wirkliche Effekte erzielt", sagte er (gemeint ist Raphael Gaßmann,Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen) der Nachrichtenagentur dpa. Zitatende.
Was meint er? Adipositasanstieg? Oder Elimination von Kultur?
Auch ihm sei das neue Buch des Philosophen Robert Pfaller "Wofür es sich zu leben lohnt" empfohlen. zum Beitrag »

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