Ärzte Zeitung, 27.04.2015

Ähnlich schädlich wie Zigaretten

Gefahr von Shishas wird unterschätzt

Lange ist man davon ausgegangen, dass Shisha-Rauchen aufgrund der Filterwirkung des Wassers weniger gesundheitsschädlich sei als Zigarettenqualm. Neue Studien erheben daran jetzt Zweifel. Unter Jugendlichen boomt die Wasserpfeifen-Kultur.

Von Christine Starostzik

Gefahr von Shishas wird unterschätzt

Wasserpfeifenkonsum wird von vielen Jugendlichen offenbar nicht als Rauchen eingestuft.

© Arkady Chubykin / Fotolia.com

BERLIN. Lange ist man davon ausgegangen, dass der Tabakkonsum mittels Shisha aufgrund der Filterwirkung des Wassers weniger gesundheitsschädlich sei als das Rauchen von Zigaretten.

Einige Studien legen allerdings mittlerweile nahe, dass auch der regelmäßige Wasserpfeifenkonsum Gesundheitsschäden wie Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Krankheiten sowie ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs hinterlassen kann.

Außerdem wirkt sich der Konsum negativ auf die Mund- und Zahngesundheit aus, und das enthaltene Nikotin sorgt für ein dem Zigarettenrauchen vergleichbares Sucht- und Abhängigkeitspotenzial. Gefördert wird dies durch den fruchtig-süßen Geschmack.

Experten gehen zudem davon aus, dass das Wasserpfeifenrauchen den Einstieg in den Zigarettenkonsum begünstigt.

Zu einem entsprechenden Ergebnis hinsichtlich Schädlichkeit und Suchtgefahr für regelmäßige Konsumenten kam das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bereits in einer Stellungnahme aus dem Jahr 2009.

Über 4500 Jugendliche untersucht

Im Rahmen der Studie* zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland hat nun das Robert Koch-Institut den Wasserpfeifenkonsum bei 4543 Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren untersucht.

Rund 29 Prozent der Befragten hatten schon einmal Wasserpfeife geraucht, die 12-Monats-Prävalenz lag bei 20,6 Prozent, und in den 30 Tagen vor der Befragung hatten 10 Prozent eine Shisha konsumiert.

Von Letzteren berichtete etwa die Hälfte über einen einmaligen Konsum. Jeweils ein Viertel gab an, an zwei bzw. an drei oder mehr Tagen des vergangenen Monats Wasserpfeife geraucht zu haben, täglich konsumierten nur 0,6 Prozent.

Gefahr unterschätzt

Während unter den 12- bis 13-jährigen Mädchen 4,9 Prozent eine Wasserpfeife probiert hatten, waren es bei den 14- bis 17-Jährigen 37,3 Prozent. Bei den Jungen erreichten die entsprechenden Quoten 9,0 bzw. 42,7 Prozent.

Insbesondere bei ihnen zeigte sich auch ein Zusammenhang zwischen Lebenszeitprävalenz und sozialem Status (niedriger Sozialstatus: 40,5 Prozent, mittlerer: 27,2 Prozent, hoher: 29,2 Prozent.)

Diese Unterschiede erreichten jedoch keine Signifikanz. Die Ergebnisse der KiGGS-Befragung ergaben einen hohen Übereinstimmungsgrad mit den von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) 2011 erhobenen Daten.

Die aktuelle Studie macht deutlich, dass der Wasserpfeifenkonsum von vielen Jugendlichen offenbar nicht als "Rauchen" eingestuft wird. Denn auf die Frage zum Raucherstatus gaben ein Drittel der gelegentlichen Shisha-Raucher sowie ein Achtel der regelmäßigen Konsumenten an, Nichtraucher zu sein.

Außerdem verkennen viele Jugendliche offenbar die Gefahren des Wasserpfeifenkonsums und stufen diesen als weniger gesundheitsschädlich ein als Zigaretten- oder Passivrauchen.

Tabakpräventionskampagnen sollen nun verstärkt auch über die Risiken des Wasserpfeifenrauchens aufklären.

Kuntz, B. et al. Wasserpfeifenkonsum (Shisha-Rauchen) bei Jugendlichen in Deutschland. Bundesgesundheitsbl 2015. Welle 1: Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland - Erste Folgebefragung 2009-2012. RKI, Berlin

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Mangelernährt in deutschen Kliniken

Es ist ein vernachlässigtes Thema: Kranke Menschen in deutschen Kliniken sind oft mangelernährt. Seltsamerweise wird das kaum wahrgenommen. mehr »

Mit Brustkrebs-Screening kein Überlebensvorteil

Haben Frauen mit Brustkrebs, der beim Mammografie-Screening diagnostiziert worden ist, einen Überlebensvorteil gegenüber Frauen mit symptomatischen Tumoren haben? Laut einer Studie nicht. mehr »

Stuttgarter Gericht greift Rechtsprechung an

Patienten müssen ihre Ärzte von der Schweigepflicht entbinden, wenn sie sich Lohnfortzahlung auch über sechs Wochen hinaus sichern wollen. Das Landesarbeitsgericht Stuttgart greift diese elf Jahre alte Rechtsprechung nun an. mehr »