Ärzte Zeitung, 19.06.2015

Konsum sinkt

Wird Alkohol unter Jugendlichen "out"?

Jugendliche konsumieren heute weniger Alkohol als noch vor einigen Jahren. In der "Aktionswoche Alkohol", die derzeit läuft, haben Experten aber trotzdem mehr Prävention angemahnt. Denn: Es gibt auch erschreckende Zahlen.

Wird Alkohol unter Jugendlichen "out"?

Abhängen und chillen: Alkohol gehört bei vielen Jugendlichen weiterhin dazu.

© Monkey Business / fotolia.com

BERLIN. Regelmäßiger Alkoholkonsum in jungen Jahren erhöht die Wahrscheinlichkeit für Probleme und Abhängigkeit im weiteren Leben. Zur "Aktionswoche Alkohol" vom 13. bis 21. Juni hat das Robert Koch-Institut (RKI) Zahlen und Trends zum Alkoholkonsum Jugendlicher in Deutschland veröffentlicht.

Basis der Analyse ist unter anderen eine aktuelle Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitlich Aufklärung (BZgA) Danach machen mehr als zwei Drittel der Jugendlichen erste Erfahrungen mit Alkohol im Alter von knapp 14 Jahren.

Das ist fast ein Jahr später als noch zehn Jahre zuvor. Der Anteil der 12- bis 17-Jährigen, die in den letzten zwölf Monaten mindestens einmal pro Woche Alkohol getrunken haben, liegt danach bei 18 (Jungen) und 9 Prozent (Mädchen).

Schon Elfjährige mit riskantem Konsum

Nach den BZgA-Daten konsumieren etwa 6,3 Prozent der 12- bis 17-jährigen Jungen und 3,9 Prozent der Mädchen dieses Alters Alkoholmengen, die für Erwachsene als gesundheitlich riskant gelten (Männer täglich über 24 g Alkohol, das heißt 0,5-0,6 l Bier oder 0,25 l Wein, Frauen 12 g reinen Alkohol).

In der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (KiGGS-Welle 1) wurde der Alkoholkonsum mit einem Kurzfragebogen (AUDIT-C-Instrument) erfasst. Danach haben aktuell sogar 15,8 Prozent der 11- bis 17-Jährigen einen riskanten Konsum.

Regelmäßiges Rauschtrinken (ab sechs alkoholische Getränke bei einer Gelegenheit mindestens einmal im Monat) gaben 23,2 Prozent der 14- bis 17-jährigen Jungen und 16,2 Prozent der Mädchen dieses Alters an.

Viele Jugendliche finden das aber nicht riskant: Mehr als die Hälfte dieser Gruppe wähnte sich nach dieser Alkoholmenge nämlich gar nicht betrunken.

Einen positiven Trend gibt es bei der Abstinenz: Nach der KiGGS-Studie ist der Anteil der 11- bis 17-Jährigen, die jemals Alkohol getrunken haben, zurückgegangen: von 62,8 (2003-2006) auf 54,4 Prozent (2009-2012).

Nach den BZgA-Daten gingen auch die Zahlen der 12- bis 17-Jährigen mit regelmäßigem Konsum riskanter Mengen (mindestens einmal monatlich fünf oder mehr Getränke) zurück: von 20 Prozent (Mädchen) und 30,7 Prozent (Jungen) im Jahr 2007 auf 10,5 und 18,7 Prozent 2014.

Einstieg in Alkoholkonsum hinauszögern

Etwa 26.000 Kinder und Jugendliche waren bundesweit jährlich zwischen 2008 und 2012 mit akuter Alkoholintoxikation in Kliniken behandelt worden. Diese Zahl ist nach dem Bericht im Jahr 2013 um etwa 13 Prozent gesunken. Allerdings: Im Jahr 2000 waren es nur knapp 10.000 gewesen.

Einstellungen zu Alkohol und Konsummuster, die sich in jungen Jahren ausbilden, haben häufig noch im Erwachsenenalter Bestand, betonen die Autoren der RKI-Analyse.

Umso wichtiger sei daher eine Prävention, die bereits bei Kindern und Jugendlichen ansetzt. Ziel ist es, den Einstieg in den Alkoholkonsum hinauszuzögern. Lebenswelten wie Schule und Ausbildung sollten daher möglichst alkoholfrei gestaltet werden.

Weitere Ziele sind, Früherkennung und Frühintervention bei Risiken sicherzustellen, Beratungs- und Behandlungsangeboten zu verbessern und suchtbelastete Familien zu unterstützen. In einem nächsten Schritt sollen bei alkoholischen Getränken auch Werbung, Preisgestaltung und Verfügbarkeit überprüft werden.

Dazu gehört etwa ein nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol in Tankstellen und Supermärkten, das es bereits in Baden-Württemberg gibt. (st/eis)

[27.06.2015, 09:56:14]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
"Die Gesellschaft" lebt sich eher auseinander, das kann man schlecht statistisch nivellieren.
Daher sehe ich keinerlei Grund zur Entwarnung. Insgesamt ist die Gesellschaft zweifellos kinderfeindlich (allarmierender Kindermangel).
Um so weniger ein Grund auf "Erziehung" zu verzichten, so altmodisch das auch immer klingen mag.
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